Mitarbeiter mit Kündigung gedroht

Fies: Kirche mahnt Ein-Euro-Jobber ab

+
In diesem Gebäude in Dreieich-Sprendlingen ist die Mensa untergebracht. Sie wird vom Verein Initiative Arbeit im Bistum Mainz getragen.

Region Rheinmain – Jetzt werden schon Ein-Euro-Jobber abgemahnt. Und zwar nicht von irgendwem, sondern von einer kirchlichen Einrichtung in Dreieich. Eine Mitarbeiterin fiel aus allen Wolken, als ihr plötzlich eine schriftliche Abmahnung inklusive angedrohter Kündigung ins Haus flatterte. Und das, obwohl Abmahnungen bei Ein-Euro-Jobs jegliche rechtliche Grundlage entbehren. Von Frederick Bausch

Frau N. ist mit den Nerven am Ende, hat große Angst. Die gebürtige Afghanin hat einen Ein-Euro-Job als Küchenhilfe in der Mensa im Haus des lebenslangen Lernens in Sprendlingen. Träger ist der Verein Initiative Arbeit im Bistum Mainz. Und Mitte Juli 2009 erhielt sie eine schriftliche Abmahnung wegen angeblichen Fehlverhaltens und ihr wurde mit Kündigung gedroht. Die Gründe dafür sind in der Abmahnung jedoch nicht aufgeführt. Frau N. sagt, sie habe sich nie etwas zu Schulden kommen lassen und sich gegenüber Mitarbeitern und Vorgesetzten stets korrekt und freundlich verhalten.

Doch das ist noch nicht alles. Sie berichtet weiter von einem überaus schlechten Betriebsklima: „Die vergangenen sechs Monate waren schlimm. Es herrschen Kasernenhofton, willkürliche Verurteilungen und rüdes Verhalten unter den Ein-Euro-Jobbern und den vier fest angestellten Mitarbeitern“, berichtet sie.

Auf telefonische Nachfrage bei Projektleiterin Mirjam Lohse zeigt diese sich überrascht und will zunächst nichts von einer Abmahnung wissen – die sie immerhin selbst unterschrieben hat (siehe Foto). Sie gibt aber bei einer Stippvisite des EXTRA TIPP vor Ort schließlich zu: „Solche Abmahnungen sind wichtig, um Grenzen zu ziehen und einigen Mitarbeitern zu signalisieren, dass sie ihr Verhalten am Arbeitsplatz ändern müssen. Reibungsflächen innerhalb der Belegschaft kommen vor wie anderswo auch. Das ist nichts Ungewöhnliches. Es gibt Langzeitarbeitslose, die möchten arbeiten und es gibt einige, die wollen nicht und sagen das auch. Aber wir legen großen Wert auf ein gutes Betriebsklima und müssen Sorge dafür tragen, dass das Team funktioniert.“

Ver.di-Sprecher Jan Jurczyk erläutert: „Eine Abmahnung ist in der Regel ernst zu nehmen. Allerdings hat sie – sollte es tatsächlich zur Kündigung kommen und der Fall strittig werden – so gut wie keinen Bestand, denn der Arbeitgeber müsste über die genauen Gründe der Abmahnung Nachweis erbringen. Und das halte ich hier für nahezu unmöglich. Außerdem sind Abmahnungen bei Arbeitsgelegenheiten rechtlich nicht haltbar, da es sich dabei nicht um herkömmliche Arbeitsverhältnisse handelt.“

Darauf angesprochen räumt Marcus Hansen-Tolles, Leiter des Vereins Initiative Arbeit im Bistum Mainz ein: „Ich gebe zu, dass wir Abmahnungen als Instrument nutzen, um mehrfach auffällig gewordenen Mitarbeitern ihr Fehlverhalten zu verdeutlichen. Und es ist richtig, dass wir dieses Instrument falsch benannt haben. Vielleicht sollten wir es eher ,Ermahnung‘ statt ,Abmahnung‘ nennen.“

Kommentare