Feuerwehrleute sauer: FDP-Chef will bei ihrer Ausrüstung sparen

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Feuerwehrleute im Einsatz.

Region Rhein-Main – Aufregung und Unverständnis bei den Feuerwehrleuten in der Region. FDP-Hessenchef Jörg-Uwe Hahn sieht bei der Ausrüstung der Feuerwehren Einsparpotential. Das deutete er zumindest kürzlich auf seinem Landesparteitag an. Von Norman Körtge

Natürlich hat Ralph Stühling die Aussage von Hessens FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn gehört. Und der Kreisbrandinspektor des Kreises Darmstadt-Dieburg empfindet diese – milde ausgedrückt – als „sehr ärgerlich“. Denn Hahn hatte auf dem FDP-Landesparteitag in Gießen vor laufenden Fernseh-Kameras gesagt: „Nicht jede Freiwillige Feuerwehr braucht auch die Ausrüstung, die man in einer Zentrale auch vorhalten kann.“

Jörg-Uwe Hahn

Stühling, der im Landkreis für 78 Freiwillige Feuerwehren zuständig ist, kann die Aussage, „die da verbal rausgehauen worden ist“, nicht nachvollziehen. Er hat das Gefühl, dass dort jemand gesprochen hat, der von der Thematik nicht viel Ahnung hat und quittiert das mit dem Spruch „Schuster, bleib bei deinen Leisten“ in Richtung des Justizministers. „Zum einen gibt es gesetzliche Vorschriften, zum anderen hat jede Kommune einen Bedarfs- und Entwicklungsplan, der die Ausrüstungsfrage klärt“, berichtet Stühling. Fakt sei außerdem, dass nicht jede Freiwillige Feuerwehr etwa Spezialfahrzeuge wie einen Messwagen vorhält.

Sondergeräte innerhalb von 20 Minuten am Einsatzort

Das bestätigt auch Werner Merget, Gemeindebrandinspektor von Hainburg. „Hainburg hält die Ausrüstung für Gefahrguteinsätze vor“, sagt er. Die kann im Alarmfall auch von den Kollegen in Seligenstadt sowie Mainhausen und auch für den gesamten Kreis Offenbach angefordert werden. Diese Sondergeräte müssen nach der Alarmierung innerhalb von 20 Minuten am Unfallort sein – im Gegensatz zu den Erstrettern, die nach spätestens zehn Minuten vor Ort sein müssen.

Darüber hinaus, so Merget, geht es bei der Ausrüstung um die bestmögliche Rettung von Menschenleben als auch um den Eigenschutz der Feuerwehrleute.

FDP versucht zu beschwichtigen

Auf Nachfrage des EXTRA TIPPs war die FDP um Beschwichtigung bemüht. Eine Sprecherin erklärte, dass Hahn nicht den Eindruck erwecken wollte, dass die Feuerwehren nicht zusammenarbeiten würden. Auch stellte der FDP-Chef klar, dass es weiterhin in jedem Stadtteil, auch dem kleinsten, eine Freiwillige Feuerwehr geben soll. „Solide Finanzen und optimale Ausrüstung widersprechen sich nicht“, meinte er, bekräftigt aber auch, dass die Diskussion vor Ort geführt werden muss. Denn: Zukunft gestalten gehe nur mit den Menschen.

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