Farbenstreit im Beton-Hochhaus: "Das tut doch in den Augen weh"

Von Norman KörtgeNeu-Isenburg - Der triste, graue Betonblock im Zentrum von Neu-Isenburg gehört schon bald der Vergangenheit an. Das 74 Meter hohe Wohnhaus mit seinen 21 Stockwerken erhält zu Zeit einen farbigen Anstrich.

Dadurch wird die gesamte Frankfurter Straße aufgewertet, von einem Schandfleck kann dann keine Rede mehr sein. Doch, meint Wohnungseigentümerin Brigitte Backhaus. Sie spricht von einer "schizophrenen Farbzusammenstellung".

Vom Balkon ihrer Wohnung im 16. Stock an der Frankfurter Straße 184 hat Brigitte Backhaus einen herrlichen Ausblick auf das Umland. "Gestern war so ein schöner Sonnenuntergang", schwärmt sie. Für einen Augenblick vergisst sie den ganzen Frust. Doch sobald Backhaus sich ein wenig über das Geländer beugt und den Kopf nach links dreht, holt sie der Ärger wieder ein. Der rote und blaue Anstrich an ihrer Hausfassade lässt sie erschaudern. "Das tut doch in den Augen weh. So etwas stilloses", platzt es aus ihr heraus.

Seit 1982 besitzt sie die Wohnung. Mehr als 6.000 Euro betrug ihre Umlage für die umfassende Beton-Sanierung und den neuen Anstrich des 1974 fertiggestellten Hochhauses. "Die Farbkombination passt überhaupt nicht. Das ist ja wie im Kindergarten", sagt Backhaus. Schon als im Juli 2007 die knapp 180 Wohnungseigentümer über die fünf vom Isenburger-Architekten Norbert Schniotalla gemachten Vorschläge abstimmten, hatte sie für den Mehrheitsbeschluss nur Kopfschütteln übrig. Jetzt, nachdem die Farbe aufgetragen ist, fühlt sie sich bestätigt und befürchtet: "In so ein bemaltes Haus zieht doch keiner mehr ein."

Genau das Gegenteil meint Andreas Schmidt, Mitglied im Verwalterbeirat: "Wir erwarten eine enorme Wertsteigerung und einen Imagegewinn - nicht nur für das Haus, sondern auch für ganz Isenburg". Schmidt betont, dass es eine demokratische Entscheidung war. Allerdings gibt es gegenüber den Farbmustern auf Papier Abweichungen auf dem grauen Beton. Das sei aber nicht zu umgehen, da auch die unterschiedlichen Lichtverhältnisse berücksichtigt werden müssten.

Schmidt freut sich jedenfalls darauf, wenn im September das Gerüst an der West- und Südfassade abgebaut wird und die ersten Ergebnisse des rund 1,4 Millionen Euro teuren Sanierungsprojekts für alle sichtbar werden.

Die Nord- und Ostseite des Hochhauses wird dann im März 2009 eingerüstet. Auch dort wird dann der Beton saniert und die Fassade erhält einen neuen Anstrich.

Isenburgs Bürgermeister Oliver Quilling freut sich auf den farbigen Akzent. Das graue Gebäude habe in der Vergangenheit schon eine "negative Wirkung" gehabt, sagt der Rathaus-Chef. Das es abweichende Meinung über die Farbe gibt, sei normal. "Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten", sagt Quilling. Wenn bis Ende 2009 dann auch der angrenzende Shop West des Isenburg Zentrums samt dem darüber liegenden Bürohochhaus saniert ist, wird die Ecke Frankfurter Straße und Friedhofstraße in neuem Glanz erstrahlen.

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