Familienbesuch wird zur fiesen Kostenfalle

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Wie konnte eine Handy-Rechnung von 700 Euro entstehen? Domenico Steve Buoniconti kann die Argumente der Telekom nicht nachvollziehen.

Region Rhein-Main - Domenico Buoniconti wollte nur seine Tochter in Amerika besuchen und sie von seiner verspäteten Landung informieren. Als er wieder zu Hause ist, schickt ihm sein Mobilfunknetz-Anbieter eine Rechnung über 700 Euro.  Von Dirk Beutel

Domenico Steve Buoniconti fühlt sich über den Tisch gezogen. Nachdem er Ende Mai seine Tochter Ciretta im amerikanischen Pittsburgh besucht hat, flatterte eine gepfefferte Rechnung seines Mobilfunknetz-Anbieters Telekom ins Haus.

Während seiner Reise soll das Handy des 72-Jährigen einige Male auf das Internet zugegriffen haben. Kosten: 700 Euro. „Ich fliege regelmäßig zu meiner Tochter. So etwas ist mir nie passiert“, sagt Buoniconti.

Er erinnert sich: Bis zur Zwischenlandung in Philadelphia hatte er sein I-Phone die ganze Zeit ausgeschaltet. Weil er aber seinen Anschlussflug nach Pittsburgh verpasste, informierte er seine Tochter mit einer SMS, dass er sich um etwa drei Stunden verspäten würde. „Das war das letzte Mal, dass ich mein Handy mit einer SIM-Karte der Telekom benutzt habe“, sagt Buoniconti. Danach habe er sein Handy gewechselt. In Amerika nutze er ausschließlich sein Blackberry mit einer SIM-Karte des amerikanischen Anbieters AT&T – der Kosten wegen. Nur in Deutschland telefoniert er mit der Telekom-SIM-Karte, die in seinem I-Phone steckt. Kein Wunder, dass der Schock tief sitzt: „Als ich den Kontoauszug geholt habe, hat mich fast der Schlag getroffen“, sagt seine Frau Inge.

Buoniconti hat alle Dienste seines Anbieters vor seiner Abreise ausgeschaltet

Wegen seiner Auslandserfahrung hat Buoniconti alle Dienste seines Anbieters vor seiner Abreise ausgeschaltet. Auch das sogenannte Roaming (das Gerät verbindet sich im Ausland automatisch mit einem dortigen Anbieter. Dadurch können auch Internetinhalte heruntergeladen werden).

Zahlreiche Anrufe beim Telekom-Kundencenter hat die Familie geführt. Dazu mehrere Reklamationsbriefe. Nichts. Der mächtige Mobilfunkbetreiber blieb hart. Die Erklärung: Das Handy soll im Hintergrund eine Verbindung hergestellt haben. Bei der Telekom sieht alles nach einem klaren Fall aus: „Bei einer Auslandsreise wird man im Vorfeld gefragt, ob das Roaming ausgeschaltet werden soll. Das ist eine Sache, die wir als Mobilfunknetz-Betreiber weder regulieren noch kontrollieren können. Fest steht, dass hohe Datenmengen heruntergeladen wurden“, sagt Telekom-Sprecher André Hofmann. Das Kuriose: Laut Angaben der Telekom, habe nicht das I-Phone des 72-Jährigen, sondern dessen Blackberry die Verbindungen hergestellt. Buoniconti versteht die Welt nicht mehr: „Die Telekomkarte ist eine Minicard und passt gar nicht in das Blackberry“

Die Telekom lenkt ein

Aber: Die Telekom lenkt ein. Sie bietet den Buonicontis an, nur die Hälfe der kompletten Monatsrechnung zahlen zu müssen. Auf Kulanzbasis. Trotzdem ist er fassungslos: „Warum hat man mich nicht gewarnt? Sie hätten mir eine SMS schicken können, dass mein Konto auffällig ansteigt.“ Sein Problem: Er kann nicht beweisen, dass er tatsächlich alle Funktionen ausgeschaltet hatte. „In der Regel ist der Handynutzer dafür verantwortlich, wie sein Handy eingestellt ist“, sagt Ute Bitter von der Verbraucherschutzzentrale: „Falls eine saftige Handyrechnung ins Haus flattert, müssen sie meist zahlen. Grundsätzlich kann aber jede Telefonrechnung beanstandet werden und ein Einzelverbindungsnachweis sowie eine technische Überprüfung der berechneten Verbindungen verlangt werden. Wurden die Verbindungen tatsächlich hergestellt, pochen Anbieter auf Zahlung der entstandenen Kosten (siehe „Meine Meinung“, Seite zwei).

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