Abgabe steigt, doch das Unkraut wuchert

Familie zahlt Pflegegebühr für Friedhof nicht

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Jürgen und Sieglinde Stickler vor dem Friedhof im Groß-Umstädter Stadtteil Semd. Das Dieburger Ehepaar zahlt aus Protest die Erhöhung der Friedhofspflegegebühr nicht.

Groß-Umstadt/Dieburg – Die Grabruhe wird immer teurer – auch in Groß-Umstadt. Weil dort die Friedhofspflegegebühr aber um 50 Prozent erhöht wurde, will Familie Stickler  die Kosten aus Protest nicht mehr zahlen. Von Dirk Beutel 

Sterben wird immer teurer. Vor allem für diejenigen, die sich um mehr als nur ein Grab kümmern müssen. So wie Sieglinde Stickler. Sie unterhält ein Doppelgrab in Semd. Eines, in dem verstorbener Bruder Reinhold liegt und die Ruhestätte ihrer Eltern. Bereits seit 2003 erhebt die Stadt Groß-Umstadt für ihre zehn Friedhöfe eine separate Friedhofspflegegebühr, die für die Grünpflege der parkähnlichen Friedhofsanlagen eingesetzt werden soll. Kosten: 24 Euro pro Grabstätte. Die Sticklers werden also mit 48 Euro zur Kasse gebeten und zwar so lange wie das Doppelgrab existiert.

"Das ist einfach nur Abzocke"

Eine Gebühr, die Sieglinde Stickler nie nachvollziehen konnte. „Ich bin jede Woche auf dem Friedhof und wundere mich jedesmal aufs Neue, für was wir eigentlich diese Pflegegebühr zahlen, aber überall wuchert das Unkraut, sowohl an den Wegen als auch am Eingang. Besonders auffällig wird es nach einem starken Regen oder wenn es geschneit hat. Man sieht, dass nichts gemacht wird.“

Als Ende 2012 schließlich die Gebühr um 50 Prozent erhöht wurde, platzt ihr der Kragen. Sie legt Widerspruch  bei der Stadt ein und fordert die Rücknahme der Erhöhung. Das war im November 2012. Doch nicht nur den Sticklers geht die Friedhofspflegegebühr gegen den Strich. Eine Bürgerinitiative klagte gegen den städtischen Posten vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof. Der lehnte den Antrag ab und untermauerte die Rechtsmäßigkeit der Gebühr und dessen Kalkulation. Stickler bleibt aber dabei: „Das ist einfach nur Abzocke. Da fragt man sich doch, wie man auf diese Zahlen kommt und wohin das Geld wirklich fließt.“

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Auf EXTRA TIPP-Nachfrage erklärt Reiner Michaelis, Sprecher der Stadt Groß-Umstadt: „Wegen Tariferhöhungen  und steigenden Kosten  musste auch die Pflegegebühr angehoben werden. Aber durch die Gebühr werden gerade einmal die Kosten abgedeckt, die durch unseren Aufwand entstehen, den wir betreiben.“ Aber er räumt ein: „Es könnte schöner aussehen, aber besser geht´s im Moment nicht.“ Zudem erklärt er, dass es sich bei der Gebühr um keine zusätzliche Gebühr handele, sondern um einen Posten, der aus den gesamten Bestattungskosten gesondert herausgerechnet wurde, um diese gerechter zu verteilen.

Qualität hat seine Grenzen

„Doch das wird nicht immer so verstanden“, sagt Michaelis. Der Stadt stünden nur dreieinhalb Stellen für die Friedhofsarbeit  zur Verfügung. Zum Vergleich: Das etwa gleichgroße Dieburg beschäftigt für ihren einzigen Friedhof drei Mitarbeiter. Michaelis: „Wir müssten noch fünf Gärtner mehr einstellen, aber das will ja auch keiner. Es gibt eben Grenzen, was die Qualität angeht.“ Die allerdings gebe es nicht bei der Gebühr: Eine weitere Anhebung sei nicht ausgeschlossen.

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