Leser bieten Hilfe an / Main-Arbeit hat keinen Beratungsplatz frei

Wohnungsdrama geht weiter: Familie sucht immer noch

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Elvira Schneeberger und Thomas Schmidt in der Notunterkunft an der Offenbacher Marienstraße.

Endstation Notunterkunft: So titelte der EXTRA TIPP in der vergangenen Ausgabe. Ein junges Paar aus Offenbach bat verzweifelt um Unterstützung bei der Wohnungssuche. Die Leser versuchten zu helfen, während die Main-Arbeit das Paar vertröstet. Von Franziska Jäger

Region Rhein-Main – Elvira Schneeberger und Thomas Schmidt warten und hoffen. Darauf, dass sich jemand auf den Zeitungsartikel meldet. Darauf, dass ihnen endlich jemand aus der Notunterkunft heraushilft. Viel mehr bleibt der jungen Familie aus Offenbach auch nicht mehr übrig.

Vor einer Woche hatte der EXTRA TIPP über die verzweifelte Lage des arbeitslosen Paares berichtet (nachzulesen hier): Mit ihrer kleinen Tochter leben die beiden in einem 14 Quadratmeter großen Zimmer. Eine Wohnung haben sie trotz langer Suche und vieler Anfragen nicht gefunden. Und auch die Beratungsangebote des Jobcenters Main-Arbeit schlagen seit vier Monaten fehl. „Ein Mitarbeiter der Zentralen Vermittlung von Unterkünften bot uns zwar eine größere Notunterkunft an, sagte aber, dass dort das Umfeld noch schlimmer sei“, sagt Schneeberger. Die Familie entschloss sich, zu bleiben. Schließlich liegt auch die Schule, die die sechsjährige Mila besucht, in unmittelbarer Nähe.

Die EXTRA TIPP-Leser nahmen Anteil an der Notsituation des Paares und versuchten zu helfen. Eine Hartz IV-Empfängerin berichtete von einer ähnlichen Misere: Über zwei Jahre wollte kein Vermieter sie wegen ihrer Arbeitslosigkeit annehmen. Ihrem Budget entsprechende Angebote seien zudem rar gewesen. Ihr Tipp: Bei der Offenbacher Baugenossenschaft nachfragen und sich nicht abwimmeln lassen. Denn in ihrem Haus in Dietzenbach stehe bereits seit Monaten eine Wohnung der Baugenossenschaft frei. Weitere Leser berichteten von freien und kostengünstigen Wohnungen. Zum Teil allerdings viel zu weit weg. Konkrete Hilfe für das Paar blieb aus.

Bei der Mainarbeit gibt es nur ein Achselzucken

Bis zu einem Anruf am Mittwochnachmittag. Ein Vermieter aus Dreieich bietet der Familie eine Zwei-Zimmer-Wohnung in seinem Haus an. Für Schneeberger und Schmidt ein Hoffnungsschimmer. Doch die Wohnung entpuppt sich bei der Besichtigung als heruntergekommenes Kellerloch. Das Paar steht wieder ganz am Anfang.

Bei der Main-Arbeit scheint die dramatische Wohnsituation nur mehr ein betroffenes Achselzucken zu erzeugen. Die Leiterin des Bereichs „Leistungsgewährung“, Susanne Pfau, sagt: „Wir haben für solche Fälle fünfzig spezielle Beratungsplätze, bei denen Sozialarbeiter mit den Betroffenen auf Wohnungssuche gehen und Kontakte zu Wohnungsgesellschaften nutzen. Aber da ist nichts frei.“ Auch die extreme Wohnsituation der Familie kann daran nichts ändern. „Das Zimmer ist für eine Notunterkunft angemessen“, sagt Pfau. Auf Nachfrage, ob es also keinen Weg gebe, der Familie aus der Misere zu helfen, weicht sie zunächst aus, muss aber dann doch zugeben: „Wir können der Familie leider im Moment keine Wohnung vermitteln.“

Für Schneeberger, Schmidt und Tochter Mila ein Horrorszenario. Sie haben Angst davor, weitere Monate zu dritt auf 14 Quadratmetern verbringen zu müssen.

Am Ende verspricht Susanne Pfau dann doch noch etwas, was wie ein Hoffnungsschimmer am Horizont aussieht. „Uns ist die besondere Situation der Familie bewusst. Sobald ein Beratungsplatz frei ist, rutschen sie rein.“

Der EXTRA TIPP wird die Entwicklung weiter im Blick behalten.

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