Stadt zahlt 3000 Euro für 64 Quadratmeter

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Der Offenbacher Mohamed Samori lebt mit seiner insgesamt zehnköpfigen Familie seit zehn Monaten auf 64 Quadratmetern.

Offenbach – Es ist eine selbstverschuldete Tragödie, die sich seit rund zehn Monaten unter den Augen der Offenbacher Behörden abspielt. Die zehnköpfige Familie Samori haust in einer 64 Quadratemeter großen Notunterkunft. Die Stadt Offenbach lässt sich die Wohnung 3000 Euro im Monat kosten. Von Norman Körtge

Warum genau Mohamed Samori vor gut zehn Monaten das Mietverhältnis für die 130 Quadratmeter Wohnung in Offenbach-Bieber kündigte, bleibt auch auf Nachfrage nebulös. Ein Streit mit dem Hausmeister, der ihn auf dem Kieker gehabt habe, war der Auslöser. „Die Wohnung war in Ordnung“, erzählt der Offenbacher. Von einer solchen Einschätzung ist Samori derzeit weit entfernt. 64 Quadratmeter hat die Wohnung in der Gustav-Adolf-Straße, die ihm die MainArbeit als Notunterkunft besorgt hat.

Der Offenbacher Mohamed Samori lebt mit seiner insgesamt zehnköpfigen Familie seit zehn Monaten auf 64 Quadratmetern.

In den drei Zimmern liegen die Matratzen, die tagsüber aufeinander gestapelt werden. Nachts verwandeln sich die nahezu möbellosen Zimmer in Matratzenlager, in dem Samori, seine Frau und acht seiner Kinder schlafen. Die Küche, in der ein kleiner Tisch steht, ist zugleich das Badezimmer mit Duschkabine. Eine Toilette gibt es in einem erker-ähnlichen Anbau am Wohnungsflur. „Das ist kein Leben für eine Familie“, sagt der 45-Jährige leise, der seit 1976 in Offenbach lebt und seit einem schlimmen Autounfall in den 90er Jahren Berufsinvalide ist. Nicht der einzige Schicksalsschlag für den gelernten Elektriker: Seine erste Frau starb 2007 an Krebs. Hoffnung schöpfte Samori vor ein paar Wochen.

Er hatte in der Salzburger Straße eine 245 Quadratmeter große Wohnung aufgetan, 1660 Euro Miete sollte diese kosten, mit allen Nebenkosten zirka 2100 Euro. Aber die Mainarbeit lehnte die Wohnung ab. Für Samori unverständlich: „Ich weiß, dass die Mainarbeit für die jetzige kleine Wohnung 2900 Euro im Monat zahlt. Warum wollen die nicht weniger zahlen?“ MainArbeits-Geschäftsführer Matthias Schulze-Böing bestätigt, dass die Kosten für die 64-Quadratmeter-Wohnung pro Monat rund 3000 Euro betragen, aber lediglich als kurzfristige Notunterkunft gedacht ist, bis eine angemessene Wohnung gefunden ist. Dazu zähle Samoris Vorschlag aber nicht. Denn der Familie stehen nur 156 Quadratmeter zu und die verlangte Miete im von Samori vorgelegten Wohnungsangebot liegt nach Berechnung der MainArbeit 731 Euro über dem höchstzulässigem Wert.

Unerheblich sei es, dass die Stadt derzeit erheblich mehr Geld für die Unterbringung der Familie ausgibt. Schulze-Böing berichtet, dass Samori alle Hilfen der MainArbeit angeboten wurden. Er habe aber nicht die Wohnraumberatung in Anspruch genommen. Auch liegen ihm keine Informationen vor, ob der ausgestellte Berechtigungsschein für einen Makler genutzt wurde. Es fehle vielmehr jeder Beleg für die notwendige weitere Eigenanstregung bei der Wohnungssuche, stellt er konsterniert fest. „Herr Samori kennt die Lebensverhältnisse in unserer Region aufgrund seines bereits sehr langen Aufenthaltes und früherer aktiver Berufstätigkeit sehr gut und sollte von daher in der Lage sein, seinen Part bei er Überwindung der aktuellen Notlage zu leisten“, heißt es abschließend in der schriftlichen Stellungnahme Schulze-Böeings.

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