Fallensteller quälte ihre Mieze

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Wieder vereint: Petra Krause schmust mit Chayenne und der malträtierten Chilli (rechts).

Glashütten – Es ist der Albtraum für jeden Katzenbesitzer: Die eigene Katze verschwindet und kommt auch nach drei Tagen nicht wieder. Petra Krause hat das erleben müssen. Ihre größte Angst: Eine Katzenbande hat ihre Chilli gefangen und zu Fellen verarbeitet. Von Andreas Einbock

Vorsichtig schleicht die erst zehn Monate alte Hauskatze die Treppe herunter. Zaghaft schnappt die rot getigerte German Rex nach dem Leckerli von Petra Krause. „Sie ist zurückhaltender geworden und bleibt jetzt immer in der Nähe des Hauses“, sagt Petra Krause. Die Schloßbornerin erinnert sich ungern an die erste Märzwoche. „Wenn ich vom Zeitungszustellen morgens zurückkam, sprang sie mir immer gleich ins Auto. Nur nicht am 2. März“, so Krause. Plakate habe sie mit ihrem Mann aufgehängt, durch die Straßen sind sie gezogen, selbst Chillis Schwester Chayenne habe mit gesucht. Doch keine Spur von Chilli. „Als wir dann auch noch im Internet gesehen habe, dass es Banden gibt, die Katzen einfangen und das Fell zu Decken verarbeiten, ist uns das Herz in die Hose gerutscht“, sagt Krause.

Versteckt zwischen Steinen und Brettern

Intuition und ein Feuerzeug führten dann zu Chilli. Krause: „Obwohl‘s schon dunkel war, wollte ich nach dem Abendessen noch einmal in einer anderen Richtung suchen.“ Nur 300 Meter vom Haus entfernt hörten sie ein Winseln. Auf einem Grundstück entdeckten sie ihren Liebling zwischen Steinen und Brettern in einer Marderfalle versteckt. „Sie konnte sich darin kaum drehen, sie hat geklebt und gestunken“, schildert Krause und ergänzt:„Sie hätte darin jämmerlich zu Grunde gehen können.“ Ihr Zorn über den Fallenaufsteller ist deutlich zu spüren. Doch obwohl sie die Hausbewohner kenne, wolle sie niemanden beschuldigen und alles weitere der Polizei überlassen, der sie das Drahtgestell inzwischen übergeben hat.

Eine Marderfalle wie diese wurde Katze Chilli zum Verhägnis.

Mittlerweile ist die Lebendtierfalle mit Trittauslöser zur kriminaltechnischen Analyse bei der Polizeidirektion Hochtaunus.„Wir ermitteln wegen Verdacht auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz“, sagt Nils Eisenbacher von der Polizeidirektion in Bad Homburg. Denn zum Aufstellen dieser Fallen brauche man nicht nur eine spezielle Ausbildung, sondern müsse sie täglich kontrollieren. Dem Täter sei man dicht auf den Fersen. Leider sei das kein Einzelfall im Hochtaunuskreis. Eisenbacher: „Meist haben Katzen in den Fallen gesteckt.“

Die Vermutung, dass Banden hinter den Fallen stecken, kennt auch Achim Imlau, Pressesprecher der Tierschutzorganisation Tasso.„Wir haben dafür weder eindeutige Hinweise, noch können wir so etwas ausschließen“, so Imlau. Fest steht aber, dass sich die Zahl der vermissten Katzen im Hochtaunus- und im Main-Taunus-Kreis innerhalb von zwei Jahren verdoppelt hat.

Petra Krause ist einfach nur froh, dass ihre Katze wieder zu Hause ist. „Bis auf entzündetes Zahnfleisch sieht Chilli zum Glück wieder normal aus.“

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