Fahrerflucht im Parkhaus

+
Der Rahmen der Fahrertür ist total verzogen. Dellen und Kratzer machen den Wagen zum Totalschaden.

Offenbach – Ein kaputtes Frontlicht, dutzende Lackschäden, eine verbeulte Fahrerseite und ein verzogener Türrahmen: Das Auto von Renate Krausse ist ein Totalschaden. In einem Offenbacher Parkhaus wurde es Mitte Oktober unbemerkt zu Schrott gefahren. Von Mareike Palmy

Gesehen hat niemand etwas, nicht einmal die Videokameras. Dabei dachte Renate Krausse aus Bürgel, ihr Wagen wäre sicher abgestellt. Ein Trugschluss: „Totalschaden, Fahrerflucht. An so etwas denkt man ja auch nicht, wenn man sein Auto parkt“, sagt die 72-Jährige.

Denn eigentlich wollte Renate Krausse nur kurz mit ihrem Enkel Maurizio in der Innenstadt einkaufen gehen. Als sie aber wieder zu ihrem Auto im Parkhaus in der Geleitsstraße 25 kam, war der Einkaufsspaß schnell verflogen: „Erst habe ich mich gewundert, weil die Fahrertür klemmte, dann hab ich aber gleich gesehen, dass der ganze Wagen total schief da stand. Alles war verbeult. Aber vom Verursacher keine Spur. Nicht mal Lackspuren waren zu sehen. Dabei muss das ja einen richtigen Rumms gemacht haben“, berichtet Renate Krausse.

Sofort rief sie die Polizei. Doch auch die Beamten konnten keinerlei Hinweise auf den Verursacher finden. Krausses einzige Hoffnung: Die Videoaufnahmen des Parkhausbeteibers der Q-Park GmbH.

Parkplatz wurde nicht gefilmt 

In diesem Parkhaus in der Geleitsstraße 25 in der Offenbacher Innenstadt wurde der Fiat von Renate Krausse unbemerkt demoliert.

„Aber darauf ist gar nix zu sehen. Der Parkplatz, wo mein Wagen stand, wird auch gar nicht gefilmt. Nur der Kassenbereich, die Ein- und Ausfahrt und einige Frauenparkplätze sind im Bild. Die Videoaufzeichnungen sind wohl nur für das Sicherheitsgefühl, bringen tuen sie nix“, sagt Krausse enttäuscht.

Denn die Benutzung von Parkhäusern erfolgt in Deutschland auf eigene Gefahr. Kameras in den Ecken sind dort auch kein Muss, sondern ein freiwilliger Einbau der Betreiber. Nur Banken und Sparkassen, die Zugänge von Spielcasinos und Spielhallen sowie bestimmte Industrie-Anlagen müssen nach dem Gesetz mit optischen Raumüberwachungsanlagen ausgestattet sein. Für Beschädigungen durch Handlungen Dritter, Entwendung und Abhandenkommen haftet der Parkhausbetreiber auch nicht.

Auf den Unfall-Kosten bleibt die Witwe daher selbst sitzen. Der Schaden des grünen Fiat Punto, Baujahr 1998, wird auf rund 3000 Euro geschätzt. „Jetzt muss ich laufen, denn woher soll ich das Geld für ein neues Auto nehmen? Vielleicht hat ja doch jemand etwas gesehen und meldet sich noch“, hofft Krausse.

Denn auch der Polizei sind die Hände gebunden: „Wir haben die Videos ausgewertet, doch darauf ist nichts zu erkennen. Nicht mal ein Fremdfarbübertrag am Auto von Frau Krausse bietet Hinweise auf den Verursacher, also wurde der Fall abgeschlossen. Auf den Kosten bleibt die Frau leider sitzen“, so Sprecher Ingbert Zacharias.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare