Statistik: Schwalbacher flüchten bei jedem zweiten Unfall

Keine Moral im Taunus?

+
Verkehrsstatistik 2011: Die meisten Fahrer im Main-Taunus-Kreis flüchteten, nachdem sie eine Beule an einem parkenden Auto verursacht hatten.

Taunus – Beim Rangieren aus dem Parkplatz hat es den Scheinwerfer eines anderen Autos erwischt. Jeder zweite Schwalbacher und Sulzbacher haut in so einem Fall ab. Laut Statistik flüchteten im Main-Taunus doppelt so viele Autofahrer nach einem Unfall wie in ganz Deutschland. Von Angelika Pöppel

Zwei Mal an einem Tag krachte es vor zwei Wochen in Steinbach: In beiden Fällen wurden geparkte Autos beschädigt und die Verursacher flüchteten. Laut Verkehrsstatistik haben im gesamten Hochtaunuskreis im vergangenen Jahr 1549 Autofahrer Fahrerflucht begangen. Die meisten Fälle passierten in Oberursel und Steinbach: 38,3 Prozent flüchteten. Doch im Main-Taunus-Kreis melden noch weniger Fahrer einen Unfall: Rund 43 Prozent der Unfallverursacher flüchteten im Jahr 2011. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 21 Prozent.

Der Unfallfluchtanteil lässt darauf schließen, dass die Verkehrsmoral im Kreisgebiet niedrig ist, da diese Quote doppelt so hoch ist wie im Bundesdurchschnitt“, sagt Thorsten Nordholt, Leiter des Verkehrsunfalldienstes in Hattersheim. Nur Eppstein liegt mit 28,4 Prozent knapp über dem Durchschnitt. In Schwalbach lag der Fahrerfluchtanteil sogar bei 49,4 Prozent, in Sulzbach bei 48,8 Prozent im vergangenen Jahr. Also machte sich bei fast jedem zweiten Unfall der Verursacher aus dem Staub.

Bis zu sieben Punkte und Führerscheinentzug

Andreas Dicke, stellvertretender Pressessprecher der Polizei Main-Taunus, versucht, dafür Gründe zu finden: „Allein auf den Parkplätzen des Main-Taunus-Zentrums in Sulzbach kommt es häufig zu Unfällen. Denn die Autos werden immer größer.“ Die Parkplätze allerdings nicht. Außerdem seien die meisten Fahrer im Main-Taunus-Kreis auch bereit, einen Kratzer anzuzeigen. „Im gesamten Rhein-Main-Gebiet gibt es viele Leasing- und Firmenfahrzeuge. Schäden müssen somit gemeldet werden“, sagt Dicke.

Zettel an der Windschutzscheibe schützt nicht vor Strafe

In der Statistik sind nicht alle Unfälle berücksichtigt“, sagt Thomas Dietrich von der Polizeidirektion Hochtaunus. Das führe zu einer Verzerrung. Außerdem sei der Vordertaunus dicht besiedelt. Doch er muss zugeben: „Wir liegen deutlich drüber.“ Dagegen tun kann die Polizei nur wenig: „Es ist sehr schwierig. Wir können nur immer wieder darauf hinwiesen, dass Fahrerflucht kein Kavaliersdelikt ist, sondern eine Straftat“, sagt Dicke. Auf den erwischten Fahrer kann eine Geldstrafe, bis zu sieben Punkte in Flensburg oder Führerscheinentzug zukommen. Auch ein Zettel an der Windschutzscheibe schützt in den meisten Fällen nicht vor einer Strafe. Wenn Personen verletzt werden, ist der Führerschein definitiv weg. „Doch das ist zum Glück die Ausnahme“, sagt Thomas Dietrich.

Erhöhte Zahlen auch in Offenbach und Frankfurt

Im gesamten Rhein-Main-Gebiet steigen die Unfallfluchten von Jahr zu Jahr. In Stadt und Kreis Offenbach begingen insgesamt 5399 Autofahrer in Stadt und Kreis Offenbach – 331 mehr als im Vorjahr. In der Region beschäftigen sich deshalb sechs Polizisten ausschließlich mit Unfallflüchtigen. „Das Team ist ausgelastet“, sagt Michael Kottke von der Autobahnpolizei. Auf der Autobahn seien es häufig Unfälle mit der Leitplanke, die nicht gemeldet werden. Doch auch das ist strafbar, da ein Schaden entsteht.

In Frankfurt begingen 35,7 Prozent der Unfallbeteiligten Fahrerflucht. Die Unfälle auf der Autobahn rausgerechnet, sind es rund 32 Prozent im Stadtgebiet. Damit liegt Frankfurt statistisch nahe bei Bad Homburg und dem gesamten Hochtaunus.

Kommentare