Der Tod fährt Taxi: Überfall-Welle rollt

Frankfurt/Offenbach – Sie stehen im Fadenkreuz zahlreicher Verbrecher, werden Nacht für Nacht bedroht, verletzt und manchmal sogar getötet: Taxifahrer haben einen gefährlichen Job. Doch nie war er so bedrohlich wie zurzeit in Offenbach und Frankfurt. „Gerade erleben wir wieder eine Welle“, sagt Hans-Peter Kratz von der Vereinigung der Frankfurter Taxiunternehmer. „Aber so schlimm wie jetzt war es noch nie.“ Von Christian Reinartz

Hans-Peter Kratz.

Immer wenn es auf Weihnachten zugeht, fangen die Überfälle auf Taxifahrer wieder an. „Ob das an der dunklen Jahreszeit liegt oder daran, dass die Täter Geld für Geschenke brauchen, kann ich nicht beurteilen“, sagt Kratz. Nur eines weiß er: Die Wellen werden immer stärker.“

Allein in den letzten zehn Tagen wurden in Frankfurt und Offenbach mehrere Taxifahrer auf brutalste Weise überfallen und ausgeraubt. Vor einem Monat haben Fahrgäste ihrem Chauffeur in Frankfurt ein Messer in den Bauch gerammt – weil er zu viel hupte. Ein anderer wurde verprügelt. Taxiunternehmer Harry Schweitzer aus Offenbach ist sicher: „Die Ganoven schauen sich mittlerweile die Masche untereinander ab.“ Er warnt: „Wenn die Polizei nicht bald ein paar der Täter hochnimmt, wird es immer schlimmer werden.“

Ein hartes Geschäft in dunklen Ecken

„Das ist ein extrem hartes Geschäft“, weiß Schweitzer. Angst hat er trotzdem keine. „Statistisch gesehen ist der Beruf überhaupt nicht so gefährlich“, erklärt er. Dennoch kann auch er nicht aus seiner Haut, wenn er zu einer dunklen, unheimlichen Ecke bestellt wird. Ein schönes Gefühl sei das zwar nicht, aber: „Die Fahrer wissen, worauf sie sich einlassen.“

Holger Brück vom Frankfurter Unternehmen Main-Taxi mit über 1000 Fahrern kennt solche Situationen. „Es passiert ständig, dass Fahrer in brenzlige Situationen kommen“, sagt er. Aber die Fahrer wissen, was sie zu tun haben: Es gibt in jedem Taxi einen Alarmknopf. Wird der betätigt, ruft die Zentrale an und verwickelt den Fahrer in ein Gespräch. Das schreckt viele Täter ab. „Ich weiß nicht, wie viele Überfälle wir auf diese Weise verhindert haben“, sagt er. Drei seiner Leute wurden in den letzten Jahren dennoch überfallen. „Wenn man so etwas live am Telefon mitbekommt, ist das furchtbar“, so Brück.

Mittlerweile gibt es in vielen Taxis eine Videoüberwachung. „Wir zeichnen den Täter auf“, warnt der Vorsitzende der Frankfurter Taxivereinigung Hans-Peter Kratz die Gangster. Aber ihm ist klar: „Wirklich sicherer wird die Situation auch nicht.“

Chronik des Taxi-Terrors

   1.11.09: Ein Fahrgast aus Sachsenhausen lockt einen Taxifahrer in eine Falle in Dreieich und raubt ihn aus.

25.10.09: Ein vermummter Fahrgast und ein Komplize bedrohen einen Taxifahrer mit einer Pistole in Offenbach-Bürgel. Der ruft laut nach der Polizei und kann die Täter so in die Flucht schlagen.

19.10.09: Ein Taxifahrer wird nach einem Streit im Frankfurter Gutleutviertel niedergestochen

24.09.09: Erst telefoniert ein Fahrgast in Offenbach mit dem Handy des Taxifahrers. Als der kassieren will, wird er geschlagen.

18.09.09: Ein Taxifahrer wird an der Berliner Straße in Offenbach von Fahrgästen verprügelt. Andere Taxifahrer helfen ihm.

14.08.09: Mit Reizgas wird ein Fahrer von einem Unbekannten attakiert, nachdem er in die Frankfurter Anne-Frank-Straße bestellt wurde.

Montage: rz/Pixelio

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