Schulabschluss in der Tasche, aber zu dumm für die Ausbildung

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Handwerklich geschickt: Doch bei vielen jungen Menschen, die sich für eine Ausbildung bewerben, mangelt es an Interesse und Motivation.

Region Rhein-Main – Die Situation auf dem Fachkräfte-Markt spitzt sich zu.   50.000 Fachkräfte fehlen allein im nächsten Jahr in Südhessen, bis 2014 sind es 500.000. Von Julia Renner

Betroffen sind vor allem die Bereiche Maschinenbau, IT, das Gastgewerbe und der Einzelhandel in Kreis und Stadt Offenbach. „Der Mangel hat sich schon länger abgezeichnet und ist bereits deutlich spürbar“, sagt Friedrich Rixecker, Geschäftsführer für Aus- und Weiterbildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach.

Bei den meisten Unternehmen habe deshalb bereits ein Umdenken eingesetzt. Während in der Krise überlegt wurde, ob Fachkräfte überhaupt gehalten werden können, werde jetzt verstärkt ausgebildet, um in Zukunft überhaupt Fachkräfte zu haben.

Soziale Kompetenz fehlt

Allerdings ist es nicht immer ganz leicht, die besten Azubis zu finden. „Viele Unternehmen haben wachsende Probleme, Stellen zu besetzen“, sagt Rixecker. Er wolle nicht alle jungen Leute über einen Kamm scheren. Doch die Probleme sind nicht von der Hand zu weisen. Viele Schulabgänger sind schlicht unqualifiziert.

Aber auch die soziale Kompetenz lässt zu wünschen übrig. Oft würden Azubis Interesse, Motivation, Leistungsbereitschaft und Umgangsformen fehlen, hat die Offenbacher IHK bei einer Umfrage herausgefunden.

Viele Firmen sind mittlerweile bereit, schwächere Bewerber zu nehmen. Mit Nachhilfe helfen sie dann auf die Sprünge. „Das machen mittlerweile 13 Prozent der Betriebe“. Früher waren solche Nachhilfestunden die Ausnahme.

Potential von Migranten nutzen

Um einem künftigen Mangel an Fachkräften vorzubeugen, werden viele Unternehmen selbst aktiv. So gibt es mehr Firmenpartnerschaften mit Schulen, um junge Leute früh für bestimmte Themen zu begeistern. „Sie warten nicht mehr auf Bewerber, sie werden selbst aktiv“, sagt Rixecker.

Er empfiehlt Firmen, das „gigantische“ Potential bei Migranten zu nutzen oder von Frauen, die nach der Familienphase nicht zurückgekehrt sind.

Dass vielen jungen Leuten die Qualifikation für einen Job fehlt, bekommt auch die Deutsche Flugsicherung in Langen zu spüren. Dort werden für 2011 noch 50 Lotsen gesucht, außerdem einige Ingenieure. Die Anforderungen an Lotsen sind hoch. Nicht nur gute Noten sind ein Muss, sondern auch Fähigkeiten wie Multitasking- und Teamfähigkeit. Ein Job mit Zukunft. Genommen werden nur die Besten: Drei bis fünf Prozent schaffen das Auswahlverfahren.

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