Experimentier-Stube der Republik:  Frankfurter Süchtige probieren alles

Frankfurt – Frankfurt ist die Drogenhauptstadt der Republik. Hier wird offenbaralles  ausprobiert. Selbst die brutalste aller Drogen, das aus Russland stammende „Krokodil“, haben Süchtige schon probiert. Experten sind sicher: Frankfurt ist die Experimentier-Stube der Süchtigen. Von Christian Reinartz

"Krokodil" frisst den Körper von innen heraus auf.

Es ist pervers, was Drogensüchtige ihrem Körper antun. Jüngstes Beispiel: Die Droge mit dem vielsagenden Namen „Krokodil“. Seit es aus Sibirien an den Main gekrochen ist, bleibt selbst hartgesottenen Szene-Kennern der Mund offen stehen. Krokodil, ein Mix aus Kodein-Medikamenten, pulverisierten Streichholzköpfchen, Feuerzeugbenzin und anderen Zutaten, wird von Junkies zu einer dunkelbraunen Flüssigkeit verkocht. Diese injizieren sie sich als billigen Heroinersatz in die Venen. Und begeben sich damit in ein Martyrium von nicht vorstellbarem Ausmaß. Denn das Krokodil frisst die Süchtigen im wahrsten Sinne des Wortes von innen heraus auf. Erst verfärbt sich die Haut grün, dann schuppt sie sich, dann sterben die ersten Körperteile ab und werden schwarz. Der Mensch verfault bei lebendigem Leib – und zwar innerhalb weniger Monate.

Selbst Drogenberater sind geschockt: „Das ist wirklich extrem gefährlich“, sagt ein Mitarbeiter des Drogen-Info-Projekts „Alice“. Er vermutet, den Grund zu kennen, warum die Droge gerade in Frankfurt Abnehmer findet: „Hier gibt es eine große Heroinszene, die zwar eigentlich sehr konservativ ist, was ihre Drogen angeht“, erklärt der Fachmann. Viele seien aber bereit, auch einen solch gefährlichen Heroinersatz auszuprobieren, wenn kein Geld da ist und die Entzugserscheinungen beginnen. „Dann werden die gesundheitlichen Folgen einfach ausgeblendet.

Elektroszene experimentiert gerne

Eine ganz andere Gruppe konsumiert dagegen die so genannten Legal Highs – legale Kicks. Diese Drogen, die unter dem Deckmäntelchen „Badesalz“ oder „Dünger“ mittlerweile überall ganz legal angeboten werden, werden vor allem von Partygängern und Jugendlichen ausprobiert. „Diese Stoffe sind eindeutig der Partyszene zuzuordnen“, heißt es bei Alice. Offensichtlich ein Grund, warum auch hier Frankfurt eine führende Rolle einnimmt, denn die Stadt am Main ist bekannt für ihre überaus große Elektroszene, in der mit chemischen Drogen oft und gerne experimentiert wird.

Wolfgang Barth, Leiter des Drogennotdienstes des Vereins Jugendberatung und Jugendhilfe, glaubt indes nicht, dass Frankfurt eine Vorreiterrolle in Sachen Konsum von neuartigen Drogen zukommt:„Bei uns gab es bisher keinerlei Hinweise auf das Krokodil.“ Und auch sonst wisse er von keinen Fällen in Deutschland. Er könne sich nicht vorstellen, dass Heroin-Abhängige bereit seien, ein solches Risiko in Kauf zu nehmen.„Dazu ist das Heroin auf dem Frankfurter Markt zu billig.“Offenbar nicht billig genug, denn die ersten Fälle von Krokodil-Konsum hat die Frankfurter Polizei schon verzeichnet, heißt es beim Polizeipräsidium.

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