Familienbetrieb auf der Straße

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Schauen in eine ungewisse Zukunft: Nach 24 Jahren muss Familie Alles ihren florierenden Kiosk am Oberurseler Bahnhof schließen.

Oberursel – Sie haben ihr Leben lang gespart und gearbeitet. Jetzt verliert Familie Alles ihre Lebensgrundlage, weil die Stadt Oberursel ihren Kiosk am Bahnhof nicht mehr will. Von Dirk Beutel

Seit über 100 Jahren gibt es einen Kiosk am Oberurseler Bahnhof. In den vergangenen 24 Jahren wurde er von Christoph und Daniela Alles betrieben. Mit großem Erfolg. Das Büdchen an der Nassauer Straße ist ein Treffpunkt für Jung und Alt. Anzugträger und Malocher treffen hier aufeinander. Damit ist am Freitag, 14. Dezember, Schluss. Grund: Die Stadt will den Kiosk dort nicht mehr. Sie möchte das Bahnhofareal umgestalten. Erste Maßnahmen dafür wurden für den Hessentag ergriffen. Der alte Kiosk wurde abgerissen und der kleine Betrieb zog an gleicher Stelle in einen Container.

Weg von der Bildfläche

Familie Alles unterschrieb einen Mietvertrag mit der Stadt für zwei Jahre, die nun enden. Der Kiosk verschwindet von der Bildfläche. Der 52-jährige Alles fühlt sich von der Stadt übergangen. Man habe ihm zwar im neuen Ärztehaus und im DB-Store Alternativstandorte

Der Kiosk am Bahnhof.

angeboten. Doch die lehne er ab. An beiden Orten befürchte er große Umsatzeinbußen. „Da würden wir untergehen.“ Statt dessen habe die Familie Alles Vorschläge für einen neuen Kiosk vorgelegt. Als Pavillon-Version: Modern, mit Dachterasse, Toiletten und Geldautomaten. „Dafür hätten wir aus eigener Tasche investiert“, sagt der Kioskbetreiber. Das interessiere die Stadt aber nicht. „Man hat uns zu lange im Unklaren gelassen, wie es mit dem Kiosk weitergeht“, sagt der 52-Jährige Alles. „Die Familie hat lange Bescheid gewusst“, sagt Bürgermeister Hans-Georg Brum auf EXTRA-TIPP-Anfrage.

Sozialer Treffpunkt

Der Mietvertrag enthalte absichtlich keine Verlängerungsklausel. Man wolle einen freien, übersichtlichen Bahnhofsplatz und guten Verkehrsfluss in der anliegenden Nassauer Straße. Dort käme es wegen des Kiosks zu Problemen: „Viele Kunden kommen mit dem Auto, parken dort und behindern damit den Verkehr.“ Kein Argument für Familie Alles: „Unser Kiosk ist ein sozialer Treffpunkt. Hier kommen Leute ins Gespräch, die ansonsten still an der Haltestelle warten würden“, sagt Christoph Alles. Am kommenden Freitag ist für den Kiosk am Bahnhof Endstation. Daniela Alles hat sich bereits arbeitslos gemeldet. Ihr Mann schaut sich nach Ladenflächen im Rhein-Main-Gebiet um. Vielleicht könne man wieder etwas auf die Beine stellen: „Aber nicht in Oberursel.“

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