Kinderporno-Prozess

Vorlese-Onkel erzählt auch vor Gericht Märchen

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Dreieich – Der Prozess gegen Matthias P. geht in seine entscheidende Phase. Der 49-Jährige  muss sich für den Besitz von mehreren hunderttausend Kinderpornos verantworten. Viele  Offenthaler hoffen auf eine harte Strafe. Von Norman Körtge

Schlecht sehe er aus. Irgendwie blass, meint eine Mutter. Die Offenthalerin hat Matthias P. beim Prozess im Landgericht Darmstadt erstmals wieder gesehen. Denn der 49-Jährige ist seit der Hausdurchsuchung im Februar 2009 so gut wie untergetaucht, lässt sich in der Öffentlichkeit nicht mehr blicken. Dabei war P. in Offenthal bei Eltern und Kindern bekannt wie ein bunter Hund. Und das nicht wegen seiner Contergan-Behinderung, sondern weil er als Vorlese-Onkel in der Schul- und Stadtbücherei an der Wingertschule ehrenamtlich tätig war. Bis durch die Hausdurchsuchung die widerliche Vergangenheit von P. in die Öffentlichkeit gelangte.

Mehr als 400.000 Fotos und 5000 Filme

Lesen Sie hier die Berichte von den bisherigen Prozesstagen.

Internetfahnder der Polizei waren P. auf die Schliche gekommen. Die bei der Durchsuchung sichergestellte Menge an kinderpornografischem Material ließ selbst erfahrene Ermittler staunen. Auf sieben Festplatten, zwei Laptops und einem Tower-PC hatte P. mehr als 400.000 Bilder und 5000 Filme gespeichert. Darunter „härtestes Material“ wie Oral-, Anal-, und Vaginalverkehr mit zum Teil unter Dreijährigen sowie Vergewaltigungsszenen, wie Richter Jens Aßling berichtete. Dass P. aber nicht nur solche Videos zur Befriedigung schaute, sondern Ende der 90er-Jahre wegen mehrfachem schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, schockierte die Offenthaler.

Sicherungsverwahrung stand zur Diskussion

In der Schul- und Stadtbücherei Offenthal war Matthias P. ehrenamtlich als Vorlese-Onkel aktiv.

Den Besitz der Kinderpornos hat P. zu Prozessbeginn zugegeben – mit der für ihn plausiblen Erklärung, dass er damit Übergriffe durch ihn selbst auf Kinder verhindern möchte. Immer wieder konfrontierten Richter Aßling und Staatsanwältin Katia Schick den Angeklagten mit den Aussagen in einem Gutachten zur Haftentlassung, derer zufolge er sich mit seiner pädophilen Neigung auseinander gesetzt habe, ihm bewusst sei, dass Kinder dadurch Schaden nehmen und er in Zukunft Situationen meiden will, in denen er Kontakt zu Kindern hat. Auch erinnerte ihn der Richter daran, dass damals die Sicherungsverwahrung zur Diskussion stand.

P.s Argumentation scheint sich jetzt zu wiederholen: „Ich weiß, dass es für die Kinder kein Vergnügen ist“, sagt er in Bezug auf die Kinderpornos. „Sie sagen das, was die Leute gerade hören wollen“, entgegnete ihm daraufhin der Richter. Auch die Offenthaler schildern P. anders. Ihnen zufolge habe er immer wieder gezielt Kontakt zu Kindern gesucht. Obwohl es in Offenthal Verdachtsmomente gab, konnte die Polizei ihm keinen weiteren sexuellen Missbrauch nachweisen.

Dafür allerdings, dass er sich im Sommer 2010 erneut Zugang zu Kinderpornos verschaffte. Auch erscheint die Aussage seines Frankfurter Psychiaters, bei dem P. seit 2004 immer mal wieder in Behandlung war, in einem anderen Licht. Er hält P. für therapierbar. Seinen massiven Kinderporno-Konsum habe P. ihm allerdings auch erst gebeichtet, nachdem die Hausdurchsuchung bei ihm stattgefunden habe.

Gutachter sagt aus

Der Prozess gegen Matthias P. geht nun in seine entscheidende Phase. Am kommenden Donnerstag wird der gerichtlich bestellte Gutachter aussagen. Außerdem wurden Verteidiger und Staatsanwaltschaft angehalten, ihre Plädoyers vorzubereiten.

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