Ergotherapie-Azubis wollen gegen Sparpläne ankämpfen

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Schülerin Marina Hotz kämpft für ihre Schule.

Frankfurt – Die Ergotherapieschule in Frankfurt-Höchst steht vor der Schließung. Das wollen Schüler und Lehrer nicht so einfach hinnehmen und kämpfen für deren Erhalt. Von Dirk Beutel

Eklat in der Ergotherapieschule in Frankfurt-Höchst: Der Schule, die im April 2015 ihr 50-jähriges Bestehen feiern sollte, droht die Schließung Ende 2014. Ebenfalls von der Schließung betroffen ist die Massageschule des Ausbildungszentrums. Damit würden 112 Plätze für Auszubildende dem Rotstift zum Opfer fallen. Grund: Laut dem Aufsichtsrat des Höchster Klinikums, zu dem die Schule gehört, arbeiten beide Einrichtungen defizitär. Für das Jahr 2010 hatten die Krankenkassen für die Ausbildung der Ergotherapieschüler am Klinikum Frankfurt-Höchst ein Budget von etwa 450.000 Euro zur Verfügung gestellt. Die Kosten für die Ausbildung beliefen sich jedoch auf rund 539.000 Euro.

Schulleiterin Karin Götsch positioniert sich klar auf die Seite ihrer Schüler, die ihre Schule unbedingt behalten wollen.

Vor allem Schüler und das Lehrerkollegium an der Ergotherapieschule nehmen dieses Vorhaben nicht einfach hin: „Nicht nur, dass unsere Schule bundesweit einen sehr guten genießt, es ist die einzige Schule für Ergotherapeuten in Hessen, die noch kein Schulgeld verlangt“, sagt Ergotherapie-Schülerin Marina Hotz. Auch Schulleiterin Karin Götsch ist vehement gegen eine Schließung und kämpft für eine gerechte Ausbildung: „Eine Stadt sollte den Anspruch haben, eine kostenlose Ausbildung zu gewährleisten. Nicht jeder kann sich knapp 400 Euro im Monat für Schulgeld leisten.

Ende der Schule noch nicht beschlossen

Und genau darum geht es: Laut der Vorsitzenden des Klinikum-Aufsichtsrats, Gesundheitsdezernentin Manuela Rottmann (Grüne), kann sich die Stadt diesen Umstand nicht mehr leiten. „Wir haben genug Negativbeispiele dafür, dass sich viele Kommunen eine Klinik nicht mehr leisten können“, erklärt Rottmanns Referentin Gabriele Dyckmans. Nach ihren Angaben sei das Ende der Schule noch nicht beschlossen, erst bei der Aufsichtsratssitzung am 16. März fällt eine endgültige Entscheidung. „Wir wollen unsere Schule in eine sichere Zukunft lenken“, sagt Dyckmans: „Dazu muss die Schule gezielter am Bedarf des Klinikums ausbilden.“ Dort sind nur 15 Ergotherapeuten beschäftigt. Hingegen herrsche ein regelrechter Fachkräftemangel an Operationstechnischen Assistenten. Auch die Möglichkeit eines privaten Trägers zieht das Klinikum in Betracht: „Wir führen Gespräche in jede Richtung“, sagt Dyckmans.

Alles keine Argumente für Marina Hotz. Die 24-Jährige macht zwar im November Examen und hat auch schon eine Arbeitsstelle in Aussicht, trotzdem will sie, gemeinsam mit allen Schülern der drei Jahrgänge, für den Erhalt ihrer Schule für nachkommende Generationen kämpfen. Neben einer Protestaktion vor dem Römer sollen bald große Transparente das Schulgebäude zieren. Zudem werden Unterschriften gegen die Schließung gesammelt. Die Liste soll noch vor der Aufsichtsratssitzung der Gesundheitsdezernentin vorgelegt werden.

Doch das Defizit hätte verhindert werden können: In den vergangenen Jahren erhielt das Klinikum Fördergelder aus dem Ausbildungsfonds der Krankenkassen für 54 Ausbildungsplätze. „Zum ersten Mal wurde 2011 diese Anzahl mit 62 Schülern überschritten“, erklärt Klinik-Sprecherin Petra Fleischer. Ihren Angaben zufolge konnte die Ergotherapieschule den Nachweis über den Zuwachs an Auszubildenden, und damit den Antrag für mehr Fördergeld, erst nach Abschluss der Budgetverhandlungen 2011 vorlegen.

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