Vor dem Opferfest

Entführt und geschlachtet: Wurde sein Bock Opfer von Muslimen?

+
Werner Eckert bei seiner kleinen Schafherde. Unbekannte Täter haben seinen Zuchtbock aus dem Gehege genommen und ihn noch an Ort und Stelle geschlachtet.

Kronberg/Steinbach – Wer macht so was? Bisher noch unbekannte Täter haben einen Schafbock von Werner Eckerts Herde getrennt und noch am Tatort geschlachtet. Er hält ein religiöses Motiv für wahrscheinlich. Von Dirk Beutel

Ein paar Gedärme liegen noch im nassen Gras. Ein paar Meter weiter sind noch Blutspuren zu erkennen. Daneben steht Werner Eckert. Er trauert um seinen Schafbock. Das Tier des 70-jährigen Rentners wurde von der Herde getrennt und noch direkt neben dem Gehege geschlachtet. Die unbekannten Täter haben im Schutz der Dunkelheit zugeschlagen. Irgendwann zwischen dem 13. und 14. Oktober. An diesem Morgen fährt Eckert wie jeden Tag zu seinen 24 Schafen. Doch diesmal ist alles anders: Der Steinbacher entdeckt seinen drei Jahre alten Schafbock ausgeweidet vor dem Elektro-Zaun: Kopf, Fell, Beine und die noch warmen Innereien sind quer über die Wiese verteilt.

"Die haben gewusst was sie taten"

„Das waren ganz Abgebrühte. Die haben gewusst, was sie taten“, sagt Eckert. Denn der Kopf und die Beine seien glatt abgetrennt worden. Das könne niemand, der damit keine Erfahrung habe. Auch die Art wie das Tier ausgenommen wurde, spricht dafür: „Sie haben nur das Fleisch mitgenommen und alles andere dagelassen“, sagt Eckert. Ursprünglich wollten die Täter das Fleisch des Bocks offenbar mit einer kleinen Schubkarre transportieren. Doch das Rad brach unter dem Gewicht zusammen. „Wie sie dann abgehauen sind, kann ich mir nicht erklären“, sagt Eckert. Er kennt die Gegend genau und hat keine Spuren oder Reifenabdrücke gefunden.

Einen fremden Schafbock mitten in der Nacht schlachten – wer macht denn so was? „So etwas ist mir noch nie passiert“, sagt Eckert. Die Polizei tappt im Dunklen: „Hinweise auf Motiv oder Tathintergründe liegen noch nicht vor und auch Zeugen haben sich nicht gemeldet“, sagt Sprecher Siegfried Schlott. Den Fall habe das Kommissariat für Umweltdelikte übernommen.

Ein Tag darauf war Opferfest

Eckert hingegen hat da schon eher einen Verdacht. Er vermutet, dass die Täter dem muslimischen Glauben angehören: „Weil am Tag darauf der erste Tag des Opferfestes stattgefunden hat“, sagt Eckert. Zum Hintergrund: Das Opferfest oder Eid-ul-Adha ist das wichtigste Fest der Muslime. Es wird zum Höhepunkt der Hadsch (Islamische Pilgerfahrt nach Mekka) gefeiert und steht für dessen Vollendung, etwa zehn Wochen nach dem Fest des Fastenbrechens im Ramadan und dauert drei Tage an.

Mohammad Dawood Majoka, Sprecher der muslimischen Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland, zweifelt jedoch an dieser Vermutung: „Das wäre die falsche Grundlage. Das Opfertier muss mit legalen Mitteln erworben werden. Zumal es sogar vorgeschrieben ist, dass das Tier erst nach dem Gottesdienst am Tag des Opferfestes geschlachtet werden darf.“

Doch wie kamen die Täter überhaupt an das Tier heran? „Es müssen mindestens drei Mann gewesen sein.“ Anders könne man das etwa 140 Kilo schwere Tier, das dazu auch noch ziemlich jähzornig gewesen sein soll, überhaupt aus dem Gehege bekommen. Zumal dies unter Strom steht. Doch den haben die Täter problemlos überbrücken können.

Jetzt besitzt Werner Eckert nur noch einen Jung-Bock: „Der ist erst drei, vier Monate alt. Der Hüpfer ist für die Zucht noch viel zu jung.“ Deshalb muss sich der Steinbacher jetzt nach einem neuen Bock umschauen. Und dass mit einer gehörigen Restwut im Bauch.

Wer die Tat beobachtet hat oder Hinweise dazu geben kann, meldet sich bei der Kripo Bad Homburg unter der Rufnummer  (06172) 1200.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare