Polizei warnt: Die Masche boomt

Enkeltrickbetrug: Millionen-Geschäft mit unseren Omis

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Jährlich fallen immer mehr Senioren dem Enkeltrick am Telefon zum Opfer. Die Polizei warnt: Millionen Euro werden auf diese Weise abgezockt.

Region Rhein-Main – Skrupellos und dreist zocken Enkeltrickbetrüger Senioren am Telefon ab. Die Polizei warnt: Der Enkeltrick boomt. Eine regelrechte Mafia überzeugt ihre Opfer mit Psycho-Spielen. Von Angelika Pöppel 

„Rate mal wer da am Telefon ist? Ja genau, ich bin es, dein Enkel!“ So oder so ähnlich beginnen die meisten Enkeltrick-Betrüger das Gespräch mit ihren Opfern am Telefon. Wie kann man darauf nur reinfallen? – fragt sich die Mehrheit. Doch die Betrüger sind Profis. Aus Callcentern im Ausland wird das Telefonbuch abtelefoniert – auf der Suche nach älteren Namen. „Das ist eine regelrechte Mafia“, sagt Opferschutz-Beauftragte in Frankfurt, Stefanie Corporan-Romero. Die Täter sind psychologisch geschult, oft dauern die Gespräche mehrere Tage. Dem Opfer werde Verantwortung zugeschrieben und somit nach und nach mehr Druck aufgebaut. „Sie nennen keinen Namen, lenken das Gespräch geschickt und halten es unkonkret“, bestätigt auch Julia Krüger, Mitarbeiterin im Kommissariat 24  in Frankfurt. Die Täter haben keine Skrupel. „Die älteren Opfer leben oft zurückgezogen – freuen sich über jeden Anruf“, sagt Corporan-Romero. Senioren die an Demenz leiden, sind ein besonders beliebtes Ziel. Millionen Euro werden so auf Kosten deutscher Rentner verdient – Tendenz steigend. „Das Geschäft mit den Senioren boomt – die Zahlen steigen jährlich an.“

 

Wegen Schamgefühl ist die Dunkelziffer viel höher

Einige Fälle lässt auch die Polizei nicht kalt. Die Opferschutz-Beauftragte berichtet: „Ein Fall machte mich besonders betroffen: Für ihre vier Enkelkinder lag das Weihnachtsgeschenk und gleichzeitig vorzeitiges Erbe – jeweils 5000 Euro – in Briefumschlägen in der Wohnung bereit.“ Für die Betrüger ein leichtes Spiel. „Das verlorene Geld ist nicht so schlimm“, sagte das Opfer damals. Aber die Scham vor der Verwandtschaft sei unerträglich, gestand sie der erfahrenen Polizistin. „Die Opfer schämen sich so sehr – deshalb ist die Dunkelziffer auch viel höher“, sagt Corporan-Romero.

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Auch Fälle bei denen Summen von 100.000 bis 160.000 Euro einfach weg sind, gibt es genügend, verrät Julia Krüge. „Die Täter klopfen geschickt ab, ob nicht noch mehr Geld rauszuholen ist.“ So kann es sein, dass sie ihr Opfer nicht nur zur Bank begleiten, es auffordern zusätzlich den Dispo auszuschöpfen, sondern auch noch den wertvollen Familienschmuck abgreifen. „Es gibt auch Senioren die nach dem Betrug mittellos dastehen und ihnen nur noch der Weg zum Sozialamt bleibt“, berichtet Krüger.

Seelischer Schaden oft noch größer

Doch nicht nur der finanzielle Schaden ist für die Opfer meist groß – auch der seelische. „Die Opfer sind menschlich enttäuscht, fühlen sich seelisch missbraucht“, sagt die Opferschutz-Beauftragte Stefanie Corporan-Romero. So ein Erlebnis könne auch einen Schock verursachen und somit zu Schlaflosigkeit führen oder Krankheitsbilder verschlimmern. Doch besonders wichtig ist: „Die Opfer müssen wissen: Es fallen auch andere auf die Masche herein.“

Damit das aber nicht passiert, klärt die Polizei regelmäßig auf, veranstaltet sogar Busreisen für Senioren, bei denen es neben Kaffee, Kuchen und Besichtigungen auch Präventionshilfe gibt. Auch mit den Banken steht die Polizei aufklärerisch in Kontakt: „Wenn ältere Menschen Zehntausende Euro auf einen Schlag abheben wollen, müssen die Angestellten misstrauisch werden und zumindest nachfragen“, sagt Corporan-Romero.

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