Ende der Heroingeschäfte: Kurier und Händler gestehen

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Die ebenfalls Angeklagten R. (links) und P. (rotes T-Shirt) werden in den Verhandlungssaal des Darmstädter Landgerichts gebracht.

Offenbach/Darmstadt – Vor dem Darmstädter Landgericht sind drei Männer angeklagt, in Heroingeschäfte verwickelt zu sein. Einer der Männer hatte in seiner Offenbacher Wohnung bis zu 15 Kilo des Rauschgiftes gestreckt, verpackt und verkauft. Von Dirk Beutel

Er streckte, verpackte und verkaufte etwa 15 Kilo Heroin: Der Angeklagte I.

Tatort: Die Bleichstraße in Offenbach. Milorad R. steigt in einen dunklen BMW. Er ist Drogenkurier und hat über zwei Kilo Heroin im Gepäck. Der Stoff ist in eine Weste eingenäht, die er unter seiner Kleidung trägt. Im Auto warten seine Kontaktmänner auf die Ware. Es handelt sich um den 32-jährigen Saso I. und den 33-jährigen Mario P. Allerdings kommt es nicht zur Drogenübergabe, denn die Polizei schnappt die Männer auf frischer Tat. Jetzt sitzen sie vor dem Landgericht Darmstadt auf der Anklagebank. Prozessauftakt war am Mittwoch.

Der gebürtige Mazedonier Saso I. lebt seit 2009 in Deutschland und seit Anfang des Jahres in Offenbach. Dort hatte er etwa 15 Kilo reines Heroin gestreckt, verpackt und verkauft. Pro Kilo hat er dafür 1500 Euro kassiert. Insgesamt sieben Lieferungen bekam I. von einem gewissen K., der gesondert noch von der Polizei verfolgt wird. Um das Heroin über die Grenzen nach Deutschland zu bringen, versteckten die Kuriere das Rauschgift hinter den Bremsleuchten oder in der Autobatterie ihres Wagens. Sogar ein Inhalator musste als Versteck herhalten. Nach der Festnahme von I. konnte die Polizei in dessen Wohnung außerdem über drei Kilo Streckmittel beschlagnahmen. Ihm wird daher unerlaubter Drogenhandel zur Last gelegt.

Ebenfalls in dem BMW saß Mario P., ein Bekannter von I. aus Moldawien. Der Landsmann gab an, in Deutschland ein Auto günstig kaufen und in seiner Heimat mit Profit wieder verkaufen zu wollen. Um während seines Aufenthalts in Deutschland keine Mehrkosten zu haben, kam er in der Wohnung von I. unter. Dass der aber am Tag der Festnahme mit Drogen gehandelt hat, will der 33-Jährige nicht gewusst haben.

Der Dritte im Bunde ist der Drogenkurier Milorad R.. Er stammt eigentlich aus Serbien. Seine Kurierfahrt begann allerdings im moldawischen Skopje. R. saß dort schon 17 Jahre in Haft. Der Zellengenosse bot dem 57-Jährigen nach der Zeit im Gefängnis einen lukrativen Job im Drogenhandel an: Den Kurierdienst. „Hätte die Polizei mich nicht geschnappt, hätte ich in zwei Tagen das Zwanzigfache verdient, was ich für normale Arbeit in Moldawien verdient hätte“, sagte der Angeklagte.

Bereits am ersten Verhandlungstag haben die Angeklagten I. und R. jeweils ein umfassendes Geständnis ihrer Taten ablegt. P. allerdings bestreitet weiter, von der Heroinübergabe in Offenbach gewusst zu haben. Nun werden am 14. September die Urteile erwartet.

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