Eltern sollen mehr Energie fürs Kinder zeugen nutzen

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Tamara Struth arbeitet sehr gerne mit ihren Kindern im Kindergarten zusammen. Foto: got

Region Rhein-Main – Jedes Kind braucht Erziehung – völlig normal. Doch der amerikanische Wissenschaftler Bryan Caplan behauptet, dass Eltern es mit der Erziehung übertreiben. Sie sollen ihre Energie lieber ins Kinder kriegen investieren. Von Silke Gottaut

Erzieher aus der Region halten das für Schwachsinn.

„Keiner möchte etwas mit unerzogenen Kindern zu tun haben“, sagt Erzieherin Petra Glotzbach vom katholischen Kindergarten St. Laurentius in Frankfurt-Kalbach: „Kinder wollen ihre Grenzen austesten. Dass ist das, was sie reizt.“Jedoch behauptet Byran Caplan, dass laut einer von ihm durchgeführten Studie meist der langfristige Einfluss von Erziehung nicht nachzuweisen ist, da vieles genetisch bedingt ist. Und Kinder sind kein Stück Ton, das man formen kann.

„Klar sind Kinder kein Stück Ton. Aber sie nicht zu erziehen, ist totaler Schwachsinn“, sagt Grundschullehrerin Zatherina Letourneur aus Ober-Erlenbach. „Soziale Erfahrungen müssen gesammelt werden. Das passiert doch nicht von selbst.“ Auch Anette Goy aus Ober-Erlenbach sieht das so: „Erziehung ist sehr wichtig. Regeln müssen gelernt werden. Die Eltern müssen für ihre Kinder ein Vorbild sein.“

Caplan setzt noch eins drauf und sagt: Kinder darf man zu nichts zwingen. Doch Glotzbach sieht das anders: „Werte , Normen und Regeln müssen vermittelt werden. Aber man darf Kinder auch nicht nur kneten, man muss selbst auch so sein. Wenn ein Vater oder eine Mutter niemanden auf der Straße „Hallo“ sagt, dann kann man das von seinem Kind auch nicht verlangen.“ Erwachsene müssen sich klar äußern, klare Strukturen müssen vorhanden sein. „Blass in der Aussage sein bringt nichts.“ Man muss Stellung beziehen, sonst bekommen die Kinder keine Erkenntnis davon, was sie dürfen oder nicht. Und diese Strukturen versucht die 50-Jährige seit 30 Jahren als Erzieherin den Kindern bei zu bringen. Zusammen mit Tamara Struth leitet sie die Bärengruppe. Struth arbeitet sehr gerne mit Kindern zusammen: „Auch wenn es manchmal schwierig ist, macht mir der Job sehr viel Spaß. Und ich freue mich, die Kleinen jeden Tag zu sehen.“

Die Wertvorstellung von Erziehung ist zwar von Mensch zu Mensch unterschiedlich, jedoch ist es wichtig, gewisse Werte und Regeln zu vermitteln. Jedes Kind müsse lernen, was gut und böse ist – und das von Anfang an.

So sieht das auch Susanne Martinez, Leiterin der Kindertagesstätte der Evangelischen Gemeinde Bieber in Offenbach: „Wir haben einen Bildungsauftrag, der erfüllt werden muss. Und wenn alle Kinder von zu Hause gut erzogen wären, hätten wir in unserer Gesellschaft keine Probleme.“

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