Ekel wegen blutiger Studentenhiebe

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Asta-Vorsitzende Nadia Sergan steht vor ihrem Offenen Brief. Links daneben der beschmierte Schaukasten des Akademikerverbandes.

Frankfurt – An der Goethe-Universität gibt‘s Ärger um Schaukästen, in denen Burschenschaften für sich werben dürfen. Der AStA fordert, dass diese entfernt werden. Von Norman Körtge

Nadia Sergan empfindet Ekel, wenn sie an die blutigen Praktiken in schlagenden studentischen Verbindungen denkt. Für die Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) an der Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität ist es absolut nicht nachvollziehbar, dass sich Studenten mit Hieb- und Stichwaffen bewusst Verletzungen im Gesicht zufügen und durch Narben entstellen. Für den Asta sei es deshalb ein Unding, warum die Universität solchen Gruppierungen die Möglichkeit zur Selbstdarstellung in Infokästen gibt.

Hintergrund ist, dass der frühere Uni-Präsident Rudolf Steinberg in einer seiner letzten Amtshandlungen einen Vertrag mit der Vereinigung Akademikerverbände Frankfurt schloss. Darin wird der Vereinigung, die sowohl studentische Verbindungen als auch Burschenschaften vertritt, die Nutzung von Infokästen überlassen.

Die Uni hat ihre Kontrollmöglichkeit abgegeben“, sagt Sergan. In einem Offenen Brief an Uni-Präsident Werner Müller-Esterl äußert sie ihr Unverständnis darüber

Sie führt an, dass es sich bei dem Akademikerverband um eine reaktionäre Vereinigung handeln würde, und dass insbesondere Burschenschaften stark nationalistisch und frauenfeindlich sind. All das steht für Sergan nicht im Einklang mit den Idealen der Frankfurter Universität.

Studierende sind gleicher Meinung

Viele Studenten teilen ihre Ansicht. Einige haben ihren Protest durch Schmiererereinen auf einem der Schaukästen bereits zu ausgedruckt gebracht.

Sergan und der AStA hingegen wollen aufklären. Deshalb wurde der Offenen Brief an den Uni-Präsidenten großformatig auf Plakate gedruckt und neben die betreffenden Schaukästen aufgehängt.

Eine Erklärung über den AStA gibt es bei Wikipedia.

Der AStA verweist in der Auseinandersetzung außerdem auf die Uni in Darmstadt. Dort wurden vor drei Jahren die Infokästen der Burschenschaften wieder abmontiert. Da diese Kästen abschließbar sind, habe die Uni-Leitung keinen Einfluss mehr auf den Inhalt gehabt, berichtet Darmstadts Uni-Sprecherin Mareile Prüßner. An einem Schwarzen Brett könnte Aushänge, die der Ethik der Uni widersprächen, sofort abgehängt werden, ergänzt sie.

So weit möchte die Universitäts-Leitung in Frankfurt bislang nicht gehen. Wie Uni-Sprecher Olaf Kaltenborn mitteilt, soll das Thema demnächst mit dem Asta thematisiert und diskutiert werden. Außerdem würden die Schaukästen regelmäßig durch das Präsidium kontrolliert. „Beanstandungen hinsichtlich der Inhalte gab es bisher nicht“, sagt Kaltenborn.

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