Einkaufswagen-Klau: Heißes Eisen

Region Rhein-Main – Milliionenfach rollen Einkaufswagen durch Gänge und über Parpklätze. Doch die nützlichen Helfer im Alltag können zum Problem werden, denn jährlich verschwinden 100.000 Einkaufswagen – spurlos. Der Schaden: Zwölf Millionen Euro, wie der Hauptverband des deutschen Einzelhandels feststellt. Allein in Frankfurt gehen der Supermarktkette REWE 3.000 Einkaufswagen jährlich verloren. Am Ende zahlen die Kunden den Schaden. Von Jennifer Dreher

Besonders betroffen von dieser Problematik sind Großstädte wie Frankfurt. „Einige Ballungsräume fahren wir regelmäßig ab und sammeln die Wagen wieder ein“, so Silke Wimmers, Mitarbeiterin der Pressestelle der Handelskette real. Denn geht ein Wagen verloren, kostet er in der Neuanschaffung je nach Größe zirka 120 Euro.

Viele Wagen landen beim Schrotthändler, wie die Firma Wanzl, der bundesweit größte Einkaufswagen-Hersteller, mitteilt.

Für Mutproben oder als BLumenköbel zweckentfremdet

Die Fakten:

  • Jährlich gehen 100.000 Einkaufswagen verloren.
  • Dem Einzelhandel entsteht dadurch ein Schaden von zwölf Millionen Euro.
  • In einem Einkaufswagen sind 90 Meter Draht verbaut.
  • Er wiegt zwischen 15 und 30 Kilo.
  • Allein bei der Supermarktkette REWE in Frankfurt gehen jährlich 3.000 Einkaufswagen verloren.
  • Dem Ring-Center in Offenbach entsteht jährlich ein Schaden von 100.000 Euro durch entwendete Einkaufswagen.

Wanzl kennt auch die Gründe, warum Wagen verschwinden können. Und die sind ganz unterschiedlich. Manche Kunden transportieren ihre Einkäufe bis nach Hause und bringen sie nicht zurück. Bei Volksfesten dienen sie als Transportmittel. Zudem soll es auch Kunden geben, die die Wagen zweckentfremden und als Grill oder Blumenkübel einsetzen. Jugendliche nutzen sie häufig als Vehikel für Mutproben.

Angesichts der hohen Schadenssummen sind die Unternehmen sehr daran interessiert, ihre Wagen zurückzubekommen. Früher wurden herrenlose Einkaufswagen entsorgt. Heute werden die Märkte gebeten, sie wieder einzusammeln.

Keine Anzeigen drohen

Doch auch wenn der finanzielle Schaden groß ist, rechtliche Folgen hat die Entwendung von Einkaufswagen nicht. „Zur Anzeige gebracht wird das meines Wissens nicht“, sagt der Frankfurter Polizeisprecher Manfred von Hausen. Es handele sich auch nicht um Diebstahl, sondern höchstens um „missbräuchliche Verwendung“ der Wagen. REWE teilt mit, dass es keine Anzeigen seitens des Marktes gäbe.

Auf Dauer hilft nur eine Wegfahrsperre

Die einzige Chance der Märkte, sich vor dem finanziellen Schaden zu schützen: Wegfahrsperren und Sicherheitsleute. So macht es auch das Ring-Center in Offenbach. „Bei uns beträgt der Schaden jährlich 100.000 Euro“, berichtet Ring-Center-Chef Michael Relic. Dort gibt es einen Sicherheitsmann der nur dafür abgestellt ist, die Wagen zu bewachen. Doch auf lange Sicht hilft den Märkten nur eins: Umrüsten auf Einkaufswagen mit Wegfahrsperre bei Verlassen des Geländes.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare