Eine Frage des guten Willens

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Alleine nach der Schule: Einer Offenbacher Schülerin droht dies, da sich die Schulleitung weigert, sie in die Klasse einer Freundin zu geben. Foto: dapd

Offenbach – Sie ist fix und fertig. Eine junge Mutter aus Offenbach versuchte seit Ende Juni, dass ihre Tochter in eine andere Klasse kommt. Trotz Gesprächen mit der Schule und eines Antrages an das Schulamt, scheiterte es. Von Silke Gottaut

„Ich weiß nicht mehr weiter“, sagt Linda Leim. Die alleinerziehende Mutter von Penelope muss nach einem Schlaganfall ihre Schwiegermutter pflegen. Doch diese wohnt nicht in der Nähe, so dass sie nicht immer direkt nach der Schule zu Hause sein kann, wenn die Elfjährige heim kommt. Bis jetzt konnte sie sich mit der Mutter von Chantal, einer Mitschülerin, arrangieren. Diese holte die beiden Kinder von der Schule ab. Für die Betreuung war gesorgt.

Doch seit Dienstag ist Penelope nach dem Schulwechsel in einer anderen Klasse – nicht wie gewünscht in der selben wie Freundin Chantal. „Als ich Ende Juni erfahren habe, dass Penelope nicht zusammen mit Chantal in eine Klasse kommt, habe ich mich sofort an die Jahrgangsstufenleitung der Edith-Stein-Schule gewandt. Doch diese lehnte meine Bitte ab“, erzählt Leim. Daraufhin stellte die Mutter einen Antrag an das Schulamt Offenbach. In diesem schildert Leim ihren dringlichen Fall und dass sie nur auf die Hilfe der anderen Mutter zurückgreifen kann, wenn beide Töchter den gleichen Unterrichtsablauf haben.

Doch sie schickte den Antrag aus Versehen an die falsche Adresse. So landete er nicht beim Schulamt Offenbach, sondern beim Stadtschulamt Offenbach. Dieses leitete den Antrag an die Grundschule weiter, anstatt an die weiterführende Schule. „Ich schickte ihn gleich weiter an die Edith-Stein-Schule“, sagt die ehemalige Klassenlehrerin Renate Müller von der Humboldtschule.

Doch die Edith-Stein- Schule streitet das ab. Auch als das Schulamt Offenbach nachfragte: „Die Schule erhielt vor und nach der Klasseneinteilung keine Nachricht, wonach Penelope mit Chantal in eine Klasse gehen solle“, sagt Amtsleiter Peter Bieniussa. „Ein Klassenwechsel könnte nur erfolgen, in dem ein anderes Kind mit Penelope die Klasse tauscht.“ Dieser Meinung ist die ehemalige Klassenlehrerin Müller nicht: „Es ist nur eine Frage des guten Willens, Penelope noch in die andere Klasse zu stecken.“ Doch das sieht Schulleiterin Iris Kamarowsky von der Edith-Stein-Schule ebenfalls anders: „Wir bemühen uns immer, alle Einteilungs-Wünsche zu erfüllen. Doch jetzt ist es nicht mehr möglich.“

Für Linda Leim ist das alles nicht mehr nachvollziehbar – sie fühlt sich von der Schulbehörde und der Schulleitung im Stich gelassen.

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