Durchgeknipste Seile, angesägte Schaukeln

Wenn der Spielplatz zur Gefahr wird

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Mit Vandalismus auf Spielplätzen haben fast alle Rhein-Main-Kommunen zu tun.
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Region Rhein-Main – Sommerzeit ist Spielplatzzeit. Doch wenn die Kinder nach einem Nachmittag auf Schaukel und Wippe nach Hause gehen, bleibt der Sandkasten nicht leer. Oft wird er abends zum Treffpunkt für Jugendliche, die sich mit Säge und Co. an den Geräten abreagieren. Von Christina Langenbahn

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Auf dieses Problem macht der TÜV Rheinland aufmerksam. Bei einem großen Spielplatztest kontrolliert er jährlich 1500 Anlagen deutschlandweit.
Viele werden als mangelhaft und damit gefährlich für spielende Kinder eingestuft: Schaukeln sind angeschnitten, Bretter angesägt und Halteseile komplett durchtrennt. Im Rhein-Main-Gebiet haben die Kommunen mit dem Problem des Vandalismus zu kämpfen: „Da probieren manche Jugendliche einfach mal Beil und Säge aus dem elterlichen Keller an einem Holzhäuschen aus“, schildert Bernd Roser, Leiter der Abteilung Grünflächenunterhaltung der Stadt Frankfurt und zuständig für über 600 Anlagen. Manchmal gehe auch ein komplettes Spielgerät in Flammen auf.

Ähnliches gibt es aus Offenbach zu berichten. Dort sind schon ganze Bretter aus Holzhäusern entfernt und die Kette einer Seilbahn verknotet worden, wie Oliver Gaksch von der Presseabteilung der ESO sagt.

Mängel können jederzeit gemeldet werden

Besonders Kurioses hat Stefan Keitzl, zuständig für die Abteilung Schreinerei und Spielplatzunterhaltung der Stadt Dietzenbach zu berichten: „Unbekannte haben nachts einfach eine der Spielplatzhütten weiß gestrichen. Auf dem Boden drumherum und auf dem Tisch im Innenraum war dann alles voll weißer Farbe.“ Die Fahrräder, die von Mai bis Juni immer wieder nachts auf einem der Dietzenbacher Spielplätze angezündet wurden, verursachten zwar keinen Schaden an den Spielgeräten. Aber irgendjemand musste auch diese Überreste entsorgen. Genauso wie die vielen Zigarettenkippen und scharfen Glasscherben, die nach durchfeierter Nacht im Sand und auf dem gesamten Gelände der Spielanlagen zu finden sind. Mit diesem Problem hat auch Bad Homburg immer wieder zu kämpfen. „Oft wird uns das von den Bürgern gemeldet“, sagt Anke Krieger, Mitarbeiterin der Pressestelle Bad Homburg. Der Betriebshof kümmere sich dann möglichst schnell um das Problem.

Das gilt auch für alle anderen Städte. Bürger können bei den Kommunen jederzeit auf Mängel hinweisen. Dietzenbach hat sogar ein eigenes Formular dafür auf seiner Internetseite.

Schäden sind meist nicht gleich zu erkennen

Die Probleme sind da, auch wenn regelmäßig kontrolliert wird: Bei der wöchentlichen Begehung kümmern sich die Städte um die offensichtlichen Vandalismus-Schäden. „Bei der Quartalskontrolle machen wir dann Funktionsprüfungen und gucken uns die Spielgeräte genauer an“, berichtet Bernd Roser. Zusätzlich käme die Jahresuntersuchung hinzu, bei der man sogar Fundamente freilege, um eventuelle Faulstellen aufzuspüren. Dieser große Kontrollaufwand ist zur Sicherheit der Kinder in einer DIN-Vorschrift geregelt, der alle Städte nachkommen müssen. Die Verletzungsgefahr ist nämlich nicht zu unterschätzen. „Vor allem in Sandkästen oder im Fallschutzsand unter Schaukeln sind Glasscherben ein Risiko“, warnt Oliver Gaksch. Auf den ersten Blick sind diese nicht sofort zu entdecken. Ebenso wie angesägte Schaukelketten, die vielleicht hoch oben in der Luft reißen und ein Kind in gefährliche Tiefe fallen lassen. „Es kann sein, dass wir gerade kontrolliert haben, und in der Nacht darauf wird direkt etwas kaputt gemacht – dann sind wir auf Hinweise der Bevölkerung angewiesen“, sagt Bernd Roser.

Die Stadt Frankfurt ist dafür unter (069) 30991 zu erreichen, Offenbach unter (069) 840004250, Bad Homburg unter (06172) 1001210. Das Dietzenbacher Mängelformular findet man unter www.dietzenbach.de. Verschmutzungen und Vandalismus auf Spielplätzen in anderen Kommunen, können ebenfalls an die jeweilige Stadtverwaltung gemeldet werden.

Christina Langenbahn

Christina Langenbahn

E-Mail:christina.langenbahn@extratipp.com

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