Düstere Feinstaub-Prognose:  Jeder Vierte bald lungenkrank?

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Durch Abgase gelangen feinste Staubpartikel in die Atemluft. Sie können die gefährliche Lungenkrankheit COPD auslösen, an der jeder vierte Mensch nach neusten Erkenntnissen im Lauf seines Lebens erkranken wird.

Region Rhein-Main – COPD steht für Schmerzen, Angst und Leid. COPD. Das heißt chronisch obstruktive Lungenerkrankung und wird laut neusten Studien jeden vierten Einwohner der Region befallen. Schuld daran ist auch der massenhafte Feinstaub, mit dem die Gegend verseucht ist. Von Christian Reinartz

Wenn an der Ampel vor Herbert Essers Wohnung die Lkw stehen, geht bei dem Rentner nichts mehr. „Dann bin ich nach ein paar Metern außer Puste, ringe nach Luft“, sagt er atemlos. Der Mann leidet an COPD, einer heimtückischen Lungenkrankheit.

Bisher war man der Annahme, dass hauptsächlich Tabakrauch sie auslöse. Neuere Studien zeigen jedoch: Auch Feinstaub und andere Umwelteinflüsse sind offenbar für den fiesen Lungenverfall verantwortlich. Forscher in Kanada haben nun herausgefunden, dass aller Wahrscheinlichkeit nach jeder vierte Mensch an der COPD erkranken wird. Ein Viertel. Das wären in Frankfurt knapp 170.000 Menschen. Ein Problem, das hausgemacht ist. Denn trotz immer wieder zu hoher Feinstaubwerte, lässt die Stadt tagtäglich tausende Lkw und hunderttausende Autos durch die engen Gassen der Stadt donnern.

Beim städtischen Umweltamt verlässt man sich auf die vorgegebenen Grenzwerte und die Umweltzonen. Diese seien ein wirksames Mittel, um dem Feinstaub-Problem Herr zu werden, argumentiert man im Amt.

Überschreiten der Quote scheint programmiert

Dabei sind die Umweltzonen durchaus umstritten. Viele zweifeln deren Wirkung an. Die Fakten sprechen für sich: Allein an der Friedberger Landstraße sind in diesem Jahr trotz Umweltzone schon an 26 Tagen die Feinstaub-Grenzwerte überschritten worden. 35 ist die gesetzliche Höchstgrenze. Laut Phillip Wolfrum vom Umweltamt steige der Wert normalerweise im Winter sogar an. Ein Überschreiten der Quote scheint programmiert. Auch wenn Wolfrum versichert: „Es kann auch sein, dass wir drunter bleiben.

Herbert Esser ist das egal. Grenzwerte interessieren ihn nicht. „Ich merke ganz genau, wenn wieder zu viel Staub in der Luft ist“, sagt er aufgebracht: „In Frankfurt habe ich als Lungenkranker schon lange Probleme. Ob der Grenzwert überschritten wird oder nicht.“ Seine Beobachtung: Es gäbe viele Ampelphasen, wo die Fahrzeuge alles unnütz zuqualmten.

Das muss intelligenter gelöst werden“, fordert Herbert Esser und fügt hinzu: „Damit man endlich mal wieder durchatmen kann.“

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