Kein Anschluss unter dieser Nummer

Internet-Flaute, weil Firmen Versprechen nicht halten?

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So mancher Kunde verzweifelt daran, einen schnelleren DSL-Anschluss zu bekommen. Nicht nur, dass die telefonische Hotline oft nicht wie gewünscht weiterhilft, Manchmal bleiben Internet und Telefon einfach über längere Zeit tot.

Region Rhein-Main – Während Telefon- Unternehmen vor Vertragsabschluss hohe Surf-Geschwindigkeiten versprechen, wartet nach der Unterschrift oft die DSL- Flaute. Von Christian Reinartz

Immer schneller wollen Internetnutzer durch das World Wide Web surfen. Immer höher müssen die Übertragungsraten sein, damit Filme, Online-Spiele und Video-Übertragungen in flüssigem HD laufen. Die DSL-Anbieter übertrumpfen sich deshalb mit immer höheren Übertragungsraten und immer besseren Angeboten. Und locken damit so manchen Kunden in eine Falle. Denn immer wieder können die Anbieter ihre Versprechen nicht halten, mit denen sie die Kunden zuvor geködert haben. Doch bis diese das merken, ist es meist schon zu spät.

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Aktuelles Beispiel: Ein Dietzenbacher ist seit Jahren Kunde bei Vodafone, hat aber nur eine Übertragungsgeschwindigkeit von 2000 Kilobit pro Sekunde. Ein Anruf beim Konkurrenten O2 verspricht erfreuliches. Dort wird ihm nach einer sogenannten Verfügbarkeitsprüfung an seiner Adresse eine Geschwindigkeit zwischen 6000 und 12000 Kilobit versprochen. Der Kunde willigt ein und O2 beginnt damit ganz automatisch den Vertragswechsel einzuleiten.

Als dann bei einem erneuten Gespräch mit einem O2-Mitarbeiter der Dietzenbacher nochmals nachbohrt, räumt dieser ein: „Wir können ihn das nicht zusichern. Es kann sehr gut sein, dass Sie weiterhin nur 2000 Kilobit haben.“ Der Dietzenbacher ist sauer: „Ich habe den Vertrag nur deswegen abgeschlossen und deswegen auch explizit nachgefragt“, sagt er aufgebracht: „Sonst hätte ich doch nie einem Wechsel zugestimmt.“

Die Begründung der Hotline: „Das liegt an der letzten Meile, für die die Telekom zuständig ist.“

Bei der Pressestelle von Telefonica Deutschland, dem Mutterhaus von O2, wiederholt eine Sprecherin nur gebetsmühlenartig: „Es ist technisch nicht möglich, das vorher genau zu überprüfen.“ Erklären, warum der Kunde das erst auf Nachbohren erfahren hat, kann sie nicht.

Bandbreite wird versprochen, obwohl es die nicht gibt

Für Peter Lassek, Jurist bei der Verbraucherzentrale in Frankfurt ist das nichts neues. „Wir kennen das von mehreren Anbietern. Wenn da eine Bandbreite versprochen wird und dann nicht zur Verfügung gestellt wird, ist das eine Irreführung.“ Die Anbieter rechneten nämlich damit, dass man später aus Bequemlichkeit im Vertrag drinbleibt.

Vor allem warnt Lassek aber vor Vermittlungsgesprächen an der Haustür. „Da wird oft viel mehr versprochen, als die Anbieter dann auch halten können.“

Ein anderer Fall ist der von Andreas Obst. „Ich wollte einfach nur von 6000 auf 50.000 Bandbreite umschalten lassen“, sagt der Unitymedia-Kunde. Er schließt einen neuen Vertrag ab, bestellt neue Hardware und richtet sich auf die Umschaltung ein. „Aber dann waren plötzlich sowohl Telefon als auch Internet tot“, sagt Obst. Nach vier Tagen mit Beschwerdeanrufen läuft das Telefon wieder kurzzeitig. Dann bricht die Leitung, die technisch gesehen keine DSL-Leitung sondern ein Fernsehkabel ist, wieder weg. Diesmal für zwei Wochen. Als Obst den EXTRA TIPP einschaltet und das bei der Hotline erwähnt, geht es auf einmal ganz schnell. „Wenig später lief meine Leitung.“ Obst hat eine Vermutung, was dahinter steckt. „Die schließen ohne Ende Verträge ab, haben aber gar nicht die Kapazitäten, diese abzuarbeiten. Alles nach dem Motto: Hauptsache, die haben eine Unterschrift unter dem Vertrag.“

Helge Buchheister, Sprecher Unitymedia, weist diese Vermutung als unbegründet zurück: „Wenn wir unseren Kunden einen Termin versprechen, dann bemühen wir uns, diesen auch einzuhalten.“ Warum es im Fall von Andreas Obst so lange gedauert habe, können er sich nur mit einem Hardwareproblem erklären.

Peter Lassek aber weiß: „Wir stellen bei mehreren Anbietern immer wieder fest, dass sie gar nicht das bereitstellen können, was der Kunde will.“

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