Jugendliche nehmen den Platz in Sachsenhausen ein

Drogenhandel, Party, Müll: Brückenspielplatz verkommt

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Vor allem montagmorgens findet Christof Widmer überall Müll herumliegen, den feiernde Jugendliche hinterlassen haben.

Frankfurt - Vandalismus, Drogenhandel, Müll: Anwohner Christof Widmer hat in den vergangenen Jahren schon oft auf eigene Kosten den Brückenspielplatz in Sachsenhausen erneuern lassen und kämpft weiter für den Platz.

Christof Widmer wirft einen Blick hinauf zum Basketballkorb. Alles in Ordnung, das Netz hängt noch. Abgerissen, abgebrannt – er kann nicht sagen, wie oft er es im Laufe der vergangenen Jahre schon auf eigene Kosten erneuert hat. „Damit möchte ich ein Zeichen setzen, dass wir hier nicht alles vor die Hunde gehen lassen“, sagt er. Widmer ist einer von vielen Engagierten, die sich für den Brückenspielplatz stark machen. Doch Vandalismus ist nicht ihre einzige Herausforderung. Drogenhandel, nächtliche Lärmbelästigung, Müll, Graffitis, Wildpinkler und pöbelnde Betrunkene – die Liste der Probleme ist lang.

Heroin-Spritzen liegen herum

In einem fraktionsübergreifenden Antrag fordern die Mitglieder des Ortsbeirats fünf den Magistrat nun zum Handeln auf. „Die ganze Sache ist ein hochemotionales Thema, denn der Platz wird geliebt“, sagt Birgit Czerny, die stellvertretende Ortsvorsteherin  des Ortsbeirats. „Wir tun, was wir können. Dennoch werden sich die Probleme vor Ort nicht von heute auf morgen lösen lassen.“ Christof Widmer hofft auf langfristige Unterstützung, besonders für die Nacht. Tagsüber pulsiert auf dem Brückenspielplatz das Leben. Kinder toben umher, Jugendliche spielen Fußball, Familien picknicken, Rentner halten einen Plausch. Diese Idylle ändere sich oft nach Anbruch der Dunkelheit, wie Widmer berichtet. Dann benutzten Kneipengänger aus Alt-Sachsenhausen den Platz, um sich zu erleichtern. Drogendealer gingen ihren Geschäften nach. Süchtige ließen ihre benutzten Spritzen offen herum liegen. Auch die auf dem Spielplatz ansässige Eltern-Initiative Sachsenhausen leidet unter den Zuständen. „Unser Häuschen wird im Schnitt alle zwei Jahren außen gestrichen und bereits innerhalb einer Woche ist es wieder durch Graffiti beschmiert“, sagt Claudia Götzendörfer, die zweite Vorsitzende der Kindereinrichtung. „Immer wieder müssen wir auch anzügliche Sprüche schnell überpinseln.“

Am Wochenende feiern Jugendliche auf dem Platz

Lilli Mader besucht mit ihrem Sohn Philip fast täglich den Spielplatz. Sie schätzt die vielen Spielangebote. „Aber montagmorgens sieht es hier schlimm aus, wenn wieder Jugendliche am Wochenende lautstark gefeiert und alles zugemüllt haben“, bestätigt sie Widmers Erfahrungen. „Der Platz ist vor allem ein Paradies für junge Kinder, aber auch ansonsten ein Kleinod für Menschen jedes Alters“, sagt dieser. „Das Ziel muss sein, dies zu erhalten. Wir kämpfen nicht gegen irgendwelche Personengruppen, sondern gegen Müll, Lärm und Vandalismus.“ Die Probleme reichen aber auch über die Spielplatzgrenzen hinaus. Widmer weiß von vollgesprayten Ladentüren in den umliegenden Straßen, von zerschlagenen Blumenkübeln und herausgerissenen Pflanzen. „Das passiert so regelmäßig, dass dahinter System steckt“, sagt er und wünscht sich mehr Polizeikontrollen. Im Juni sammelte er mit der Initiative für eine sichere und saubere Nachbarschaft mehr als 300 Unterschriften, um den Ängsten und Bemühungen Nachdruck zu verleihen. Nach dem Antrag des Ortsbeirats warten er und seine Mitstreiter nun auf die Reaktion des Magistrats. „Wir sind dabei, einen Ortstermin zu später Stunde zu planen“, sagt Claudia Gabriel, die Leiterin der Stabsstelle Sauberes Frankfurt. Die Wahrnehmungen zur Lage gingen auseinander. Aus diesem Grund will sie sich zusammen mit Vertretern der Bürgerinitiative, der Polizei und der Ordnungspolizei an einem Freitagabend ein eigenes Bild machen. Ausgehend von diesen Eindrücken, soll über das weitere Vorgehen entschieden werden.

skk

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