Sportakademie sorgt für Kleingärtner-Zorn

Dreieich: Traditionsvereine sollen für Mega-Projekt Platz machen

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Lassen sich nicht einfach aus ihrer grünen Oase vertreiben: Günter Neukirch, Michael Vogel und Hartmut Schmitt (von links) vom Vorstand der Sprendlinger Kleingärtner wollen sich gegen das Fußballcamp auf ihrem Areal wehren.

Region Rhein-Main – Dicke Luft in der Kleingärtner-Idylle in Dreieich-Sprendlingen: Am Ort soll eine Sportakademie entstehen. Die Pacht hat die Stadt gekündigt, jedoch ohne Beschluss der Stadtverordneten. Die betroffenen Vereine wollen sich wehren. Von Dirk Beutel

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Wenn man in Günter Neukirchs Augen sieht, erkennt man eines ganz genau: Entschlossenheit. Die hat der Vorsitzende des Kleingärtnervereins Sprendlingen, seit die Stadt Dreieich den Pachtvertrag für das 30.000 Quadratmeter große Areal in der Lettkaut zum 31. Dezember 2017 gekündigt hat. Und das im 100. Jubiläumsjahr. Bürgermeister Dieter Zimmer hat das Schreiben sogar persönlich vorbei gebracht und damit die Kleingärtner und die ebenfalls betroffenen Geflügelzüchter 07, die über 3.600 Quadratmeter nutzen, und die Brieftaubenzüchter mit 760 Quadratmetern, eiskalt überrascht. 

Wie Bürgermeister Zimmer mitteilte, soll an deren Stelle eine deutsch-chinesische Fußballakademie errichtet werden, als Erweiterung des benachbarten Hahn Air Sportpark der Dreieich Sportstätten Betriebs- & Marketing GmbH. Dort, wo der SC Hessen Dreieich beheimatet ist und vor kurzem bekannt gab, die Kooperation mit Eintracht Frankfurt zu intensivieren.

Hobby-Gärtner prüfen juristische Schritte

Während Zimmer von einer „großen zukunftsgerichteten Entwicklung und Chance“ spricht, und sogar die Strothoff International School in die Pläne einbeziehen möchte, wächst bei den Kleingärtnern der Zorn: „Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt. Das kann man mit uns nicht machen. Wir bleiben hier. Wir gehen nicht weg“, sagt Neukirch. „Wenn das hier vernichtet wird, kann man den Verein gleich mit begraben. Viele unserer Mitglieder sind schon älter. Die ziehen nicht mehr um, sondern hören ganz auf.“ 

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Neukirch will kämpfen. Der Kündigung hat der Vorsitzende bereits widersprochen. Für weitere juristische Schritte will er mit den anderen betroffenen Vereinen eine Interessengemeinschaft gründen. Doch dazu braucht er die Rückendeckung der etwa 250 Mitglieder. Der Vorstand hat deshalb eine außerordentliche Versammlung am 19. Juli einberufen. „Wir wollen mit einer Stimme sprechen“, sagt Neukirch. Er ist überzeugt, dass der Abriss der Kleingärten von langer Hand geplant war. Das sieht die ehemalige Stadtverordnete der Unabhängigen Gemeinschaftsliste, Monika Schmidt, genauso: „Das Stadtparlament ist doch gar nicht im Boot. Das war ein Alleingang des Bürgermeisters und grenzt ja schon an Größenwahn.“

Konkrete Alternativflächen gibt es noch nicht

Hartmut Schmitt, ebenfalls Vorstandsmitglied, ist jedenfalls optimistisch: „Wenn wir alle an einem Strang ziehen, können wir viel erreichen.“ Und damit meint er nicht, die Pläne der Stadt in die Länge zu ziehen: „Unser Ziel ist es, dieses Projekt auszubremsen. Die Stadt kann gerne eine Sportakademie bauen. Aber nicht hier“, sagt der zweite Vorsitzende, Michael Vogel. Nicht ganz so enthusiastisch ist der Vorsitzende des Geflügelzuchtvereins 07, Helmut Stroh: „Wir werden das Projekt nur hinauszögern können.“ Trotz der unklaren Zukunft steht Tierärztin Bettina Holz, die in direkter Nachbarschaft eine Praxis für Tauben und Geflügel betreibt, den Vereinen bei: „Das ist eine schreckliche Situation, aber ich werde bleiben, so lange es geht.“

Konkrete Ausweichflächen hatte der Bürgermeister nicht im Angebot. Er kündigte jedoch an, die Vereine an entsprechenden Planungen zu beteiligen. Zimmer ließ mitteilen: „Ich stehe dazu, dass wir uns eine solche Entwicklungschance, um die uns andere Kommunen beneiden, nicht entgehen lassen dürfen.“ Er betont, dass für das Projekt bis zu fünf Jahre angedacht seien. „Deshalb haben wir den Vereinsvertretern versichert, dass Veränderungen für sie auf keinen Fall in den nächsten zwei Jahren anstehen.“ Das Thema soll in der ersten Sitzung der Stadtverordneten nach der Sommerpause im September auf die Tagesordnung.

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