Er will auch dafür bezahlen

Dietzenbacher kämpft gegen eine anonyme Bestattung

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Franz Czaplik will nicht, dass seine Lebensgefährtin anonym bestattet wird, sondern ein Urnen-Erdgrab bekommt.

Dietzenbach – Der Dietzenbacher Franz Czaplik will verhindern, dass seine Lebensgefährtin anonym bestattet wird. Aber das Dietzenbacher Ordnungsamt stellt sich zunächst stur. Von Christian Reinartz

 „Ich will doch nur, dass die Frau, die ich geliebt habe, ein ordentliches Grab bekommt“, sagt Franz Czaplik, als er auf dem Dietzenbacher Friedhof vor den Urnengräbern steht. Doch so, wie es aussieht, wird das nicht leicht werden, denn Czaplik ist bedürftig, hat nicht genug Geld für eine reguläre Beerdigung. Diese würde, so Czaplik, etwa 5000 Euro kosten.

Da er mit seiner Lebensgefährtin Dorota Andrzejeska-Steiner nicht verheiratet war und sie offenbar keine greifbaren Angehörigen in Deutschland hat, muss das Dietzenbacher Ordnungsamt als Gefahrenabwehrbehörde die Kosten einer anonymen Bestattung übernehmen. So ist es im Gesetz geregelt.

Franz Czaplik hat allerdings etwas Geld gespart, nicht viel. Aber gerade soviel, dass er die Kosten für ein Urnen-Erdgrab übernehmen könnte: 1300 Euro. „Ich würde das Grab bei der Stadt für meine Lebensgefährtin kaufen“, sagt Czaplik mit Tränen in den Augen. „Da könnte die Stadt doch dann die Urne beisetzen.“

Die Stadt muss die günstigere Bestattung durchführen

Doch das ist im Dietzenbacher Ordnungsamt offenbar nicht vorgesehen. Dort heißt es zunächst: „Geht nicht!“ Die Stadt sei dazu angehalten, die günstigste Bestattung vorzunehmen, die mit dem Willen der Toten übereinstimmt. „Und das ist nunmal die anonyme Bestattung.“ Sobald davon abgewichen werde, müsste der Hinterbliebene die Kosten komplett alleine tragen.

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So schön können Gräber sein

Dass Czapliks Anliegen, die Stadt keinen Cent mehr kosten würde, sondern im Gegenteil noch Geld einbringen würde, spielt im Ordnungsamt keine Rolle. „Das Gesetz schreibt es so vor, also halten wir uns auch daran“, sagt die zuständige Mitarbeiterin.

Franz Czaplik versteht die Welt nicht mehr. Weil er nicht genug Geld für die komplette Beerdigung hat, soll seine geliebte Lebensgefährtin anonym bestattet werden. Sein letzter Ausweg: Er will versuchen, einen Kredit zu bekommen, um ihr ein Grab mit Namen zu ermöglichen. „Dann hab ich halt Schulden, aber sie liegt nicht namenlos unter der Erde.“

Als der EXTRA TIPP dann Ordnungsamtsleiter Markus Hockling mit Czapliks Anliegen konfrontiert, zeigt der sich gesprächsbereit: „Ich lade Herrn Czaplik zu einem Gespräch ein, um zu schauen, ob wir gemeinsam eine Lösung finden.“

Der EXTRA TIPP wird die Sache verfolgen.

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