Diesel-Diebe wollen an unsere Tanks: Sprit-Bande zapft Kraftstoff ab

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Nachts zapfen Sprit-Diebe mit Schlauch und Kanister den teuren kraftstoff ab.

Region Rhein-Main – Als ob es nicht reicht, dass die Preise an den Tankstellen immer höher klettern. Jetzt sind auch noch professionelle Diesel-Diebe in der Region unterwegs und brechen einen Tank nach dem anderen auf. Die Polizei hat zwar zwei der Täter bei ihrer Diebestour überrascht. Die Gangster konnten jedoch fliehen. Der Kraftstoff-Klau geht seitdem munter weiter. Von Christian Reinartz

Mittlerweile vergeht keine Woche, ohne dass ein Tank aufgebrochen wird. Die Polizei ist nahezu machtlos, denn die dreisten Diebe suchen sich meist abgelegene Ecken in Industriegebieten für ihre Beutetour aus, weiß Henry Faltin, Sprecher des Polizeipräsidiums Südosthessen: „Wir gehen davon aus, dass diese Leute professionell arbeiten, denn die Mengen die da geklaut werden, müssen ja auch irgendwie abtransportiert werden.“ Dazu benutzen die Diesel-Diebe riesige 40-Liter-Kanister und Schläuche. Ebensolche hat die Polizei erst kürzlich sichergestellt, als sie zwei Täter beim Diesel-Klau überraschte. Die Ganoven konnten fliehen, ließen aber ihre Ausrüstung zurück. Ähnliches passierte am Dienstag in Hanau. Dort fanden Mitarbeiter einer Spedition am Morgen noch den Schlauch im Tank eines Lkw und darunter einen Benzinkanister. Auch hier waren die Täter offenbar gestört worden.

Damit sich der Tankaufbruch lohnt, suchen sich die Diebe nämlich oft Lkw heraus. „Die haben ganz sicher Diesel im Tank“, erklärt Henry Faltin das logische Vorgehen der Ganoven: „Außerdem fasst ein solcher Tank gleich mehrere hundert Liter.“ Allerdings würden auch immer wieder Privatfahrzeuge zum Opfer der Sprit-Diebe werden, räum Faltin ein.

Allein in den vergangenen drei Wochen hat die Bande zu den aktuellen Fällen auch in Egelsbach, Neu-Isenburg, Hainburg, und Babenhausen zugeschlagen. Ebenso sind die Gangster offenbar im Taunus unterwegs. Jüngster Fall: Flörsheim. Dort knackten die Diebe den Tank einer Planierraupe und ließen etwa 250 Liter Dieselkraftstoff ab. Lediglich in die Stadt Frankfurt haben sich die Sprit-Diebe bisher nicht allzu häufig getraut. „Das liegt an der großen Polizeidichte“, erklärt Alexander Kießling, Sprecher der Frankfurter Polizei: „Hier ist es viel schwieriger, eine ruhige, abgelegene Ecke zu finden. Trotzdem haben auch wir schon einige Fälle gehabt.“

Auch Claudia Wagner von der Ergo-Versicherung hat einen signifikanten Anstieg der Sprit-Diebstähle registriert: „Wir haben immer mehr Fälle mit privaten Benzinfahrzeugen. Da ist der Preis pro Liter höher.“ Oft würden die Tanks sogar mit einer Bohrmaschine angebohrt werden, weiß Wagner aus der Praxis. Doch das kann schnell lebensgefährlich werden. Hans-Jürgen Kohnert, Brandoberinspektor der Frankfurter Feuerwehr, warnt: „Benzin ist anders als Diesel hochentzündlich. Ein Funken genügt.“

Um den Tätern auf die Spur zu kommen, setzt die Polizei nun auf die EXTRA-TIPP-Leser. Henry Faltin: „Wer in der Nacht Autos bemerkt, die mit auffällig großen Kanistern im Laderaum durch die Gegend fahren, sollte dies unter der 110 melden.“ (siehe „Meine Meinung“, Seite zwei)

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