Das Fest der Diebe

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Für Langfinger ein Leichtes: Weihnachtsbäume hinter einem Bauzaun.

Region Rhein-Main – Nicht mal vor Weihnachten machen die Diebe in der Rhein-Main-Region Halt. Diebe klauen Beleuchtung, Bäume und künstliche Tannen. Von Christian Reinartz

Da stand er, der riesige leuchtende Baum von Thomas Duttine, bis er von einem Dieb geklaut wurde.

Während in den warmen Stuben die Familien aufs Fest warten, klauen die Langfinger Weihnachtsbeleuchtungen, Tannenbäume, oder wie jetzt in Heusenstamm gleich einen 2,50 Meter hohen künstlichen Weihnachtsbaum mit hunderten LED-Lichtern aus dem Vorgarten.

2,50 hoch, 300 Euro teuer. Der künstliche Baum mit hunderten Kirschblüten sollte das Schmuckstück im Vorgarten des Heusenstammer Unternehmers Thomas Duttine werden. Doch lange steht das weithin sichtbare Schmuckstück nicht. Als er und seine Frau am nächsten Morgen in den Hof kommen, sind sie geschockt. Der Baum ist weg. „Dabei habe ich ihn extra noch mit zwei schweren Gehwegplatten beschwert“, sagt er. Doch für den Dieb war das offenbar kein Hindernis. In der Nacht klettert der Langfinger über Duttines Zaun an der Schillerstraße. Erst räumt er die Gehwegplatten beiseite, dann sucht er in aller Seelenruhe nach der Steckdose, an der Duttine den riesigen Weihnachtsbaum angeschlossen hatte. „Anstatt einfach das Kabel durchzuschneiden, hat der erst noch die Steckdosenleiste hinter unserem Blumenkübel herausgewurschtelt, um an das Netzteil zu kommen.“

Doch eines hat der Dieb dabei übersehen. Thomas Duttine hat den Diebstahl auf Video aufgezeichnet. Die Kamera hängt gut sichtbar über die Tür. „Aber die hat der Dieb wohl nicht gesehen.“ Er will die Daten nun der Polizei übergeben, um seinen Baum zurückzubekommen.

"Diebe klauen pro Saison 15 Bäume"

Und Duttine scheint kein Einzelfall zu sein. Denn immer wieder verzeichnet die Polizei im Rhein-Main-Gebiet geklaute Weihnachtsdekorationen und Beleuchtungen. Oft würden diese Diebstähle aber gar nicht angezeigt werden, heißt es bei der Polizei. Die Täter hätten es häufiger auf Weihnachtsbäume abgesehen, sagtHenry Faltin, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Südosthessen.

Davon kann Weihnachtsbaumverkäufer Matthias Krug ein Lied singen. Des Nächtens suchen Diebe seinen Stand am Eisernen Steg in Frankfurt heim. „Die klauen uns pro Saison 15 Bäume und mehr“, regt er sich auf. „Ich bin jedesmal sowas von sauer, wenn wieder einer geklaut wurde“, sagt Krug. Diebe auf frischer Tat ertappt habe er auch schon. Doch es sind keine armen Menschen, die sich keinen Weihnachtsbaum leisten können. „Das sind meistens gut betuchte Leute, die auch ganz offen zugeben, dass das für sie ein Hobby ist“, sagt Krug entrüstet. Manche würden ganz frech antworten, dass sie das schon immer so machten. Krug macht das wütend. Er holt die Polizei und übergibt die Täter. „Aber passiert ist da bisher nie was“, sagt er verbittert: „Wahrscheinlich, weil ein Weihnachtsbaum keinen großen Wert hat.“

Um sich gegen die Weihnachts-Diebe zu schützen, bleibt Krug nur eines: „Wir übernachten ab diesem Wochenende auf dem Gelände. Denn ab jetzt bis Weihnachten ist es besonders schlimm.“

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