Dicke Schwielen statt Gabelstapler fahren

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Mit einem mulmigen Gefühl kehrt Rainer Lokay an seinen alten Arbeitsort zurück.

Offenbach – Er wollte endlich wieder einen festen Arbeitsplatz und steht nach drei Wochen wieder ohne Job da. Rainer Lokay fühlt sich von einer Firma verschaukelt und ausgenutzt. Von Andreas Einbock

Bei einer Offenbacher Getränkefirma wollte der gelernte Maler und Lackierer als Gabelstaplerfahrer anfangen und nahm sogar in Kauf, die erste Woche ohne Bezahlung zu arbeiten. „Ich habe im letzten Jahr extra umgeschult und diese Zusatzqualifikation erworben. Das wäre meine erste Chance gewesen, Fahrpraxis zu bekommen“, sagt Lokay mit verbitterten Stimme. Doch diese Chance verwehrte ihm der Logistikleiter.

Der Ehering musste dran glauben

Stattdessen habe er schwere Getränkekisten tragen und Paletten sortieren müssen. „Ich habe sogar meinen Ehering durchschneiden müssen, weil ich so dicke Schwielen bekommen habe“, sagt Lokay und zeigt seine geschwollenen Hände. Immer wieder habe er nach einem Arbeitsvertrag gefragt und wurde vertröstet. „Oft musste ich ganz allein arbeiten. Als ich mir dann den Rücken verhoben habe, wurde ich auch noch beschimpft“, beschreibt er das raue Arbeitsklima.

Immerhin habe er für die zweite und dritte Woche insgesamt 400 Euro bar auf die Hand bekommen – aber keinen Arbeitsvertrag. „Als ich dann auch noch ein polizeiliches Führungszeugnis vorweisen sollte, hat es mir gereicht“, sagt Lokay, der sich für den Job ohne die Vermittlung des Arbeitsamtes beworben hatte.

Die Firma schiebt die Schuld unterdessen an Lokay zurück. „Herr Lokay war schon mit der Arbeit überfordert und als Staplerfahrer fehlte ihm jegliche Praxis“, sagt der Logistikleiter und ergänzt: „Dennoch hatten wir einen Arbeitsvertrag aufgesetzt, doch ohne dieses Führungszeugnis können wir niemanden einstellen“, sagt der Logistikleiter.

Schuldzuweisungen helfen nicht weiter

Bei der Agentur für Arbeit hält man sich mit einer Einschätzung zurück. „Weder der Fall noch die Firma ist uns bisher bekannt. Doch schwarze Schafe gibt es natürlich überall“, sagt Teamleiterin Susanne Schrader und rät dem Betroffenen zu einer Rechtsberatung. „Generell gilt, dass jede Form der Arbeit der Schriftform bedarf. Selbst bei einem Praktikum, einer betrieblichen Trainingsmaßnahme oder einer unbezahlten Probearbeit sollten Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine so genannte gegenseitige Willenserklärung unterschreiben“, rät die Expertin von der Agentur für Arbeit.

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