Deutschlands Datenschutz-Desaster: Offenbacher attackieren Google-Auto

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Das Google-Auto geriet ins Visier von Randalierern.

Offenbach – Google filmt wieder. Immer öfter tauchen die bunten Autos mit der 360-Grad-Kamera auf dem Dach auf. In Offenbach waren sie schon. Bisher blieben die Protestaktionen gegen den Navigationsdienst Street View friedlich und bewegten sich im legalen Rahmen. Jetzt attackierten Offenbacher ein Google-Auto. Von Mareike Palmy

Wie kritisch das Unterfangen des US-Konzerns Google beäugt wird, konnte man jetzt an einem der neuen Kameraautos sehen. Dellen und Kratzer verunstalten den neuen Opel.

„Die haben mir in Offenbach das rechte Frontlicht eingeschlagen“, verrät der Fahrer, der eigentlich keine Interviews geben darf.

StreetView sorgt für Protest in der Bevölkerung

„Die Leute sind kritisch der Sache gegenüber, ich werde ständig angepöbelt“, klagt er. Auch die hochempfindliche Kamera geriet schon öfter ins Visier von Randalierern: Erst im März wurde ein Google-Auto im niedersächsischen Oldenburg schwer beschädigt. Unbekannte demolierten nachts ein Auto des Dienstes. Sie durchtrennten das Kabel, das die Kamera auf dem Dach mit der Aufnahmeeinheit im Fahrzeuginneren verbindet. Dazu stachen sie einen der Reifen platt.

Der mutwillige Vandalismus kostet Google ein Vermögen. Auch im englischen Dorf  Broughton haben Bewohner ein Auto von Google angegriffen. Die Bewohner bildeten eine Menschenkette. Gemeinsam stellten sie sich dem Google-Fahrzeug in den Weg und hinderten den Fahrer an der Durchfahrt. Er musste daraufhin umkehren, ohne das Dorf vollständig fotografiert zu haben. Anfang April attackierte ein 70-jähriger Österreicher den Fahrer eines Google-Street-View-Autos mit einer Garten-Spitzhacke. Der Pensionär wollte sich nicht fotografieren lassen und rastete aus.

„Wir sind den Gegnern des Projekts willenlos ausgeliefert. Dabei mach ich eigentlich nur meine Arbeit“, sagt der Fahrer des Google-Autos.

Gegner haben kaum Chancen sich zu wehren

Ende Mai werden erneut Fahrten in Offenbach und Umgebung durchgeführt. „Die Fahrten dienen nur dazu, die bestehenden Datenbestände zu vervollständigen“, erklärt Lena Wagner, Pressesprecherin für Google Deutschland. Der Konzern hatte bereits in den letzten zwei Jahren Aufnahmen in Offenbach gemacht. Mit der Stadt ist das aber nicht abgestimmt.

Lena Wagner - Pressefrau bei Google Deutschland

Street View nennt sich das Ganze und dient eigentlich dazu den Internet-Nutzern virtuell Straßenzüge abzulaufen. Datenschützer kritisieren das Projekt seit Wochen. Mittlerweile wollen auch viele Bürger verhindern, dass ihre Häuser im Internet auftauchen und legen bei Google Widerspruch ein.

Der blinde Vandalismus kostet den US-Konzern ein Vermögen

Kaum ein Dienst des Suchmaschinen-Anbieters hat die Gemüter so erhitzt. Selbst Verbraucherministerin Ilse Aigner hat sich eingeschaltet und wirft Google „millionenfache Verletzung der Privatshpäre“ vor. Dabei beteuert der Konzern: „Es geht uns nicht um die Menschen, es geht uns um die Orte“, so Lena Wagner. „Uns ist bewusst, dass einige Leute sich bei dem Gedanken nicht wohlfühlen, dass Bilder ihrer Häuser im Netz stehen. Deswegen bieten wir die Möglichkeit, die Entfernung von Bildern zu beantragen.“, so die Google-Pressefrau.

Das sieht Offenbachs Stadtsprecher Matthias Müller aber anders, wurde er doch selbst gerade vom Google-Auto bei der Gartenarbeit fotografiert: „Das Projekt ist problematisch und es ist schwer, dagegen vorzugehen“.

StreetView bietet neue Möglichkeiten

Eine einfache Beschwerde reicht nämlich nicht aus. Trotzdem wird die Widerspruchs-Liste immer länger. Deutschland ist in Aufruhr und es hagelt Proteste. Jetzt haben sich Verbraucherministerin Aigner und Google darauf geeinigt, dass Street View erst online geht, wenn alle Widersprüche berücksichtigt sind. (siehe „meine Meinung“ Seite 2)

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