Inkassoverwalter verrät Details

S&K-Betrüger-Villa in Kelkheim bleibt Baustelle

Kelkheim – Vor rund drei Monaten sind die gierigen Geschäftemacher der S&K Holding Stephan Schäfer und Jonas Köller aufgeflogen. Sie hinterlassen nicht nur tausende Gläubiger, sondern auch zahlreiche Villen, wie das nicht fertiggestellte Anwesen in Kelkheim. Von Angelika Pöppel

Sie badeten wie Dagobert Duck in ihrem Geld, ließen Stars in ihre Villa einfliegen, fuhren die teuersten Sportwagen: Stephan Schäfer und Jonas Köller lebten wie Rockstars. Finanziert wurde ihr ausschweifender Lebensstil von tausenden Anlegern, die sie über den Tisch zogen. Bis eine bundesweite Razzia die Party beendete. Seitdem melden sich fast täglich Opfer der Anlagebetrüger bei dem Frankfurter Inkassoverwalter Hans Glassl. „Ich mache seit drei Monaten nichts anderes“, sagt Glassl. Die Gesamtforderung liegt bei rund 100 Millionen Euro.

Bilder von der S&K Razzia in Frankfurt

Razzia bei den Frankfurter Anlagenbetrügern S&K

In Kelkheim sind noch Rechnungen offen

Auch in Kelkheim sind noch Rechnungen offen. Die Villa auf dem riesigen Anwesen in den Römergärten war noch mitten im Bau, als die Staatsanwaltschaft einmarschierte. „Zahlreiche Handwerker bleiben auf ihren Kosten sitzen“, berichtet Insider Glassl. Das Land Hessen hat das Anwesen mit einer Zwangssicherheitshypothek von 104 Millionen Euro besetzt, damit Besitzer Stephan Schäfer das Haus nicht verkaufen kann. Vorher müsse geklärt werden, woher das Geld für die Bauarbeiten stammt. Mindestens drei Jahre werde es dauern bis die Staatsanwaltschaft die Pfändung aufhebe, sagt Glassl. Auch in Offenbach steht eine der zahlreichen Villen von Schäfer nun leer. Diese ist mit 1,5 Millionen Euro belastet. Das Duo besitzt ebenfalls Anteile an der Gerbermühle in Frankfurt, die laut Inkassoverwalter aber nicht geschlossen wird.

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Der Präsident des Berufsverbandes der Inkassodetektive, der seit 16 Jahren seine eigene Detektei führt, arbeitet schon lange an dem S&K-Fall. „Seit Juni 2012 hatte ich eine V-Person in das Unternehmen eingeschleust, ich wusste aber nicht, dass die Staatsanwaltschaft auch an dem Fall dran war“, erzählt Glassl. Mit falschen Gutachten blähten die Kriminellen den Wert ihrer Immobilien künstlich auf. Die Staatsanwaltschaft wirft S&K vor, jahrelang ein Schneeballsystem betrieben zu haben. Anstatt das Kapital neuer Anleger zu investieren, soll es unter anderem eingesetzt worden sein, um Forderungen von Altkunden nachzukommen.

„Ich habe schon viel gesehen, aber so etwas dreistes ist mir noch nicht untergekommen“, sagt Glassl. Dennoch ist er zuversichtlich: „Ich hole das Geld zu 100 Prozent zurück, ich bin der Beste in Deutschland!“ Sein Betriebsgeheimnis will der ehemalige LKA-Beamte nicht verraten.

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