"Das war reine Willkür"

Von Axel GrysczykObertshausen - Neugeborene Lämmchen sind Ende Januar auf Anweisung der Kreisveterinärin des Kreises Offenbach nach Thüringen gebracht worden. Bauern und Schäfer protestieren, weil es nach ihrer Meinung keine Grundlage dafür gibt.

Aber es melden sich auch Anwohner aus Obertshausen, die behaupten, dass die Tierhaltung des Obertshäuser Schäfers Gottfried Walter nicht vorbildlich sei. Der EXTRA TIPP sprach mit Schäfermeister Hubert Gerlach, Sprecher der Berufsschäfer in Hessen, über den Fall.

EXTRA TIPP: Hat die Veterinärin des Kreises Offenbach willkürlich gehandelt?

Hubert Gerlach: Ja. Es gab schließlich keine Verfügung. Die Tiere wurden nach Thüringen transportiert und der dortige Amtstierarzt hat weder Krankheiten oder einen schlechten Zustand bei den Tieren attestieren können. Sie waren kerngesund.

EXTRA TIPP: Wurden nach ihrer Meinung also gegen Verordnungen verstoßen?

Hubert Gerlach: Auf alle Fälle! Es gab keine schriftliche Aufforderung, einen Zustand bei den Tieren bis zu einem gewissen Zeitpunkt zu beseitigen. Zudem dürfen Lämmer ohne Ohrmarke nicht transportiert werden. Ansonsten ist es ein Tiertransport, bei dem man nicht mehr nachvollziehen kann, woher die Tiere stammen. Das verstößt gegen die Viehverkehrsordnung. Außerdem ist das Tierschutzgesetz missachtet worden: Lämmer, bei denen der Nabel noch nicht abgetrocknet ist, dürfen nicht verladen werden. Und die Tiere hätten alle zwei Stunden getränkt werden müssen. Die Fahrt nach Thüringen dauerte aber erheblich länger und die Lämmer wurden überhaupt nicht gefüttert.

EXTRA TIPP: Trotzdem gibt es auch Anwohner, die behaupten, dass die Tierhaltung bei Gottfried Walter nicht immer vorbildlich war?

Hubert Gerlach: Das kann möglich sein. Ihm sind auch schon mal Tiere abgenommen worden. Wenn die Tierhaltung nicht einwandfrei ist, muss es auch so sein. Aber das hat mit dem aktuellen Fall nichts zu tun.

EXTRA TIPP: Ihre Einschätzung: Warum ist die Veterinärin auf diese Art und Weise vorgegangen?

Hubert Gerlach: Man muss sich ernsthaft fragen, warum die Frau sich soweit aus dem Fenster gelehnt hat. Es ist kein Geheimnis, dass wenn der Obertshäuser Schäfer nicht mehr seinen Beruf ausüben kann, soll das Land zu Bauland werden. Vielleicht ist das der Hintergrund.

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