Darmstadts Klinikum kauft Marienhospital und St.-Rochus-Krankenhaus

Klinik-Verkauf mit Risiken und Nebenwirkungen

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Im vergangenen Jahr demonstrierten Hunderte für den Erhalt der Geburtshilfe am St. Rochus. Auch nach dessen Verkauf gibt es jedoch keine Chance auf ihre Rückkehr.

Dieburg – Überraschung: Trotz roter Zahlen kauft Darmstadts Klinikum das Marienhospital und das Dieburger St.-Rochus-Krankenhaus. Damit entsteht der größte Krankenhaus-Verbund in kommunaler Trägerschaft in Südhessen – für die Werte soll das keine Folgen haben. Von Jens Dörr

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Die Krankenhäuser im Dieburger Land und der Stadt Darmstadt hatten in den vergangenen Jahren wirtschaftlich durchweg einen schweren Stand, konnten von schwarzen Nullen meist nur träumen. Seien es die Kreiskliniken in Groß-Umstadt und Jugenheim, das städtische Klinikum Darmstadt oder das kleine, katholische, zunächst über eine Stiftung und dann in einer gemeinnützigen GmbH organisierte, 100-Betten-Krankenhaus St. Rochus in Dieburg. In den vergangenen Wochen verhandelten Klinikum und St. Rochus das, was sie vor wenigen Tagen als Bombe platzen ließen: Das große defizitäre Darmstädter Haus (2012 ein Minus von 17 Millionen Euro) übernimmt das kleine defizitäre Dieburger Haus (2013 ein Minus von rund drei Millionen Euro) und zugleich noch das Darmstädter Marienhospital. Damit entsteht ein Krankenhaus-Konzern mit 1142 Betten, 3000 Mitarbeitern auf 2221 Vollzeitstellen sowie jährlich 46.000 stationären und 80.000 ambulanten Patienten. Der EXTRA TIPP nennt die wichtigsten Folgen für das Dieburger St. Rochus.

Generelle Zukunft: Gerade in den vergangenen Jahren mehrten sich die Stimmen, die die Daseinsberechtigung des Dieburger Krankenhauses im Allgemeinen anzweifelten. Mit den Verkaufsverhandlungen mit dem Klinikum Darmstadt wurde eine Bestandsgarantie für die nächsten fünf Jahre vereinbart. Für Pfarrer Angelo Stipinovich, Aufsichtsrats-Vorsitzender der St. Rochus Krankenhaus GmbH, sei das der für die Übernahme „entscheidende“ Punkt gewesen.

Arbeitsplätze: Betriebsbedingte Kündigungen sind für die noch 140 Rochus-Mitarbeiter vorerst ausgeschlossen. Noch im vergangenen Jahr trennte sich das Haus aber von 40 teils langjährigen Bediensteten. Rochus-Geschäftsführer Frank Bletgen zufolge fand der Großteil von ihnen über eine Transfergesellschaft wieder in den Arbeitsmarkt. Stipinovich sagt über die kirchlichen Häuser St. Rochus sowie Marienhospital und mit Blick auf die Belegschaft: „Das Bistum Mainz sieht im Zusammenschluss eine langfristige Entwicklungsperspektive für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beider Häuser.“

Medizinisches Angebot: Verlagerungen von Fachabteilungen zwischen den drei Kliniken sind den Verantwortlichen nach möglich. Allerdings könne es auch zu Neugründungen und damit zu einer Verbesserung des Angebots kommen. Nahezu ausgeschlossen ist für Dieburg allerdings die Rückkehr der im Sommer 2014 geschlossenen Geburtshilfe-Station. In Dieburg werde es keine Geburten mehr geben, so Stipinovich. Hier waren es zuletzt nur noch 300 jährlich. Vor allem habe es aber an genügend Ärzten gefehlt, die die 24-Stunden-Betreuung gewährleistet hätten. Im Marienhospital wird hingegen weiter fleißig entbunden – rund 1400 Mal pro Jahr. Die Kardiologie in Dieburg soll erhalten und gestärkt werden. Ob es sich dabei um eine echte Konkurrenz zur Kardiologie der Kreisklinik Groß-Umstadt handelt, ist umstritten. Insider verweisen auf ganz unterschiedliche Leistungen an den zwei Standorten.

Abtreibungen: Da das Bistum Mainz noch geringe Anteile und ein Vetorecht am St. Rochus behalten soll, werden die in der katholischen Kirche ungern gesehenen Abtreibungen in Dieburg weiterhin nicht vorgenommen. Im St. Rochus soll weiter nach christlichem Leitbild gepflegt und Seelsorge betrieben werden. Erhalten bleiben dürfte auch der Kirchenraum im Krankenhaus

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