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Freiwillige Feuerwehr: Chefs stellen Mitarbeiter nicht für Einsätze frei

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Symbolbild

Taunus –  Die Zahl der Einsätze Freiwilliger Feuerwehren steigt. Doch viele Arbeitgeber stellen ihre Mitarbeiter für Einsätze nicht frei. Das sorgt für erhebliche Mehrbelastung der Kollegen. Von Dirk Beutel

Ein Gasleck, ein Verkehrsunfall oder ein Brand, das sind nur einige der vielen Aufgaben, die die Freiwillige Feuerwehr bewältigen muss. Und es werden immer mehr, weil es zu immer mehr Unwetterschäden kommt. Hochwasser, umgestürzte Bäume oder Unfälle mit Gefahrengut, all dies fordert zunehmend die Belastbarkeit der ehrenamtlichen Einsatzkräfte. Auch in den ländlichen Gebieten des Taunus´: „Mit 100 bis 160 Einsätzen sind wir an der Grenze, was ehrenamtlich machbar ist“, sagt Stephan Armagni, Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Kelkheim-Mitte. Das Problem: Viele Arbeitgeber stellen ihre Mitarbeiter nicht für Einsätze frei. Dazu kommt, dass viele Mitglieder auswärts arbeiten. Sie werden nur für Großeinsätze alarmiert.

Etwa jeder vierte Mitarbeiter in Bad Soden wird nicht freigestellt

Ähnliches berichtet Nick-Oliver Kromer, Stadtbrandinspektor in Bad Soden: „Wir kennen das Problem mit hartnäckigen Arbeitgebern.“ Etwa jeder vierte Kollege der 140 Mann starken Truppe, die bis zu 500 Mal im Jahr ausrückt, weil sie auch überörtliche Aufgaben übernimmt, werde dort nicht freigestellt.

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Zwar bekommt der Arbeitgeber von der jeweiligen Kommune einen Lohnkostenausfall, doch die Produktionskraft ist erstmal weg. „Aus unserer Sicht sind das indirekte Folgen des Umbaus in unserer Wirtschaft. Immer weniger Arbeitnehmer müssen in Produktion und Betrieb die fristgerechte Erledigung der Aufträge sicherstellen, wo etwa früher vier Mitarbeiter zwei Maschinen bedient und beaufsichtigt haben, überwacht heute ein Mitarbeiter eine oder sogar zwei Maschinen“, sagt Uwe Sauer, Branddirektor der Berufsfeuerwehr Offenbach. Hinzu kommt der Fachkräftemangel: „Die Notwendigkeit ist da, aber die Bereitschaft bei den Arbeitgebern ist gering. Das wird sich in Zukunft noch zuspitzen. Größere Unternehmen sind da großzügiger“, sagt Horst Villmeter, Geschäftsführer der Arbeitgeberverbände des Hessischen Handwerks. „Es wird vor allem schwierig, wenn es sich um einen kleinen oder mittelständigen Betrieb handelt“, sagt Ulrich Kirsch von der Vereinigung hessischer Unternehmerverbände: „Da müssen einzelbetriebliche Lösungen gefunden werden.“ Klaus Disser, Sprecher des Werkfeuerwehrverbandes Hessen, bestätigt: „Die Personalressourcen sind knapper geworden. Die Freistellungen sind nicht mehr so einfach wie vor 20 Jahren“. Dabei ist ein Feuerwehrmann eine Bereicherung – auch für ein Unternehmen. „Unsere Kollegen haben ein Auge für Gefahrenquellen, sie haben ein hohes Maß an Sozialkompetenz und sind in Erster Hilfe geschult“, sagt Ulrich Neeb, Stadtbrandinspektor in Friedrichsdorf.

Personalressourcen sind knapper geworden

In Bad Soden könne man noch seine Aufgaben bewältigen. Kromer: „In der Kerntruppe sind wir da 22 Mann.“ Das gelte vor allem für die wichtige zehnminütige Erstphase der Einsätze. Doch auch in Bad Soden verzeichnet man steigende Einsatzzahlen. „Die Belastung für Ehrenamtliche ist immens. Denn zu den Einsätzen kommen Übungen, Sonderausbildungen und Wartungsarbeiten dazu.“ Außerdem muss jede Freiwillige Feuerwehr immer härter um Nachwuchs kämpfen: „In den vergangenen Jahren haben wir viel Personal gelassen. Es wird immer schwerer die Leute zu begeistern und diese zu halten“, sagt Stephan Armagni: „Die Feuerwehr ist längst ein mittelständiges Unternehmen, das vom Küchentisch aus geführt wird.“

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