Im Interview

Flughafen-Gegnerin Carola Gottas: "Es geht nicht nur um Fluglärm"

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BI-Sprecherin Carola Gottas in Aktion.

Region Rhein-Main – Wirbelschleppen von landenden Flugzeugen sind nicht nur für Hausdächer gefährlich. Darüber und die Hoffnung auf objektive Richter spricht Carola Gottas, Sprecherin der Bürgerinitiative Flörsheim-Hochheim, im Interview. Von Norman Körtge

Am Dienstag hat Hessens Verkehrsminister Florian Rentsch verkündet, dass der Planfeststellungsbeschluss zum Bau der neuen Landebahn dahingehend ergänzt wird, dass Fraport die Hausdächer in Flörsheim und Raunheim gegen Wirbelschleppen sichern muss. Was halten Sie davon?

Gar nichts. Die Wirbelschleppen wirken sich ja nicht nur auf die Dächer aus, sondern reichen bis auf den Boden. Einen Kinderwagen kann man nicht festtackern. Ruderer auf dem Main kamen schon in Bedrängnis, ebenso Radfahrer. In der Plattstraße wurde ein schweren Sack mit Blumenerde herumgewirbelt.

Kannten Sie Wirbelschleppen schon vor den Vorfällen in Flörsheim?

In Raunheim kennt man das Problem schon seit vielen Jahren. Deshalb ist es so verwunderlich, dass es hieß, das Thema sei für Flörsheim zu vernachlässigen, da kein Risiko bestehe. Der Planfeststellungsbeschluss beruht auf falschen Tatsachen und muss deshalb generell auf den Prüfstand.

Was erhoffen Sie sich dadurch?

Es kann nicht sein, dass der Planfeststellungsbeschluss immer wieder ergänzt wird. Es muss die Ursache geprüft werden, nicht die Auswirkungen. Die Konsequenz daraus wäre, dass die Betriebserlaubnis für die Landebahn entzogen wird.

Wie realistisch schätzen Sie das ein?

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Die Klagen von Flörsheim und anderen Kommunen sind in Kassel beim Verwaltungsgerichtshof. Ich setze darauf, dass die Richter die Berichte und Fakten objektiv bewerten. Im Gegensatz zu Politikern, die von Lobbyisten beeinflusst sind. Es darf nicht immer um Wachstum gehen. ‘Höher, schneller, weiter’ ist nicht vereinbar mit der Lebensqualität in der Region.

Im September stehen Landtagswahlen an. Wie verhält sich die Bürgerinitiative?

Wir als Bürgerinitiative geben keine Wahlempfehlung ab. Wir setzen auf den mündigen Bürger, der genau hinschaut, was Parteien in der Vergangenheit versprochen haben und was in den aktuellen Wahlprogrammen drin stehen wird.

Zuletzt hat es in Flörsheim Unmut darüber gegeben, dass nach der von der Fraport beauftragten Dachinspektion Hausbesitzer Post vom Kreisbauamt bekommen haben, dass Mängel an ihrem Dach behoben werden müssen. Die Schäden sollen nicht von Wirbelschleppen verursacht worden sein.

Wer sagt denn das? Nicht jede Wirbelschleppe reißt Ziegel von Dächern. Wenn Ziegel über längere Zeit immer mal wieder mal leicht angehoben werden durch Luftverwirbelungen, verrutschen sie auch irgendwann.

In letzter Zeit schien es so, als würden Menschen aus dem Vordertaunus ihre Interessen Vorrang gegenüber lärmgeplagten in Offenbachern geben und umgekehrt. Ist das so?

Nein. Das ist die Strategie von Fraport und der Politik. Die 80 Bürgerinitiativen lassen sich nicht auseinander dividieren. Wir in Flörsheim haben uns um die Diskussionen, egal ob Südanflug oder Rückenwindkomponente, nicht eingemischt. Es geht nicht nur um den Lärm, sondern auch um die Schadstoffbelastung. Das geht uns alle an. Egal, wo wir wohnen. Die Region muss hier zusammenhalten.

Wie ist für Sie das Leben in Flörsheim?

Man lebt an der Schmerzgrenze. Aber dem Zusammenhalt, den ich hier in der Bürgerinitiative erlebt habe, gibt mir die Kraft. Wir leben hier in dritter Generation. Ich gebe den Kampf nicht auf.

Bilder von zerstörten Dächern in Flörsheim

Flugzeug-Wirbelschleppe reißt Ziegel von Flörsheimer-Dach

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