Wer mitmischen will, muss jetzt investieren

Cannabisbauern bereiten sich auf Legalisierung vor

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Ein Hanfbauer riecht an seinen Pflanzen. Es braucht Jahre der Pflege, bevor eine Plantage stabil und verlässlich Ertrag abwirft.

Region Rhein-Main – Während in Teilen der USA Marihuana  legalisiert wird, erreicht die Welle Deutschland – zumindest wirtschaftlich. Wer hier in Zukunft als legaler Cannabis-Bauer mitmischen will, muss jetzt investieren. Ein aufgeflogener Plantagenbesitzer berichtet. Von Christian Reinartz

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Es ist wie beim Alkoholverbot in den USA in den 20er- und 30er-Jahren. Wer damals schon illegal Alkohol produzierte, wurde reich, sobald das Verbot gefallen war. Eine ähnliche Entwicklung erhoffen sich offenbar auch die Deutschen Cannabis-Bauern. Immer mehr der illegalen Plantagen werden von der Polizei hochgenommen, immer häufiger stoßen Ordnungskräfte auf gut getarnte Indoor-Plantagen. Überall wächst und gedeiht es – zumindest ist das der Eindruck, den man bekommt, wenn man die Verkaufszahlen für Grow-Produkte  anschaut. Die gehen nämlich offenbar durch die Decke.

Ein Frankfurter Hanf-Bauer  erklärt die wachsende Nachfrage nach Plantagen-Zubehör. Er selbst ist erst vor kurzem aufgeflogen und wartet nun auf sein Verfahren, will deshalb nicht namentlich genannt werden. „Wer richtig Geld verdienen will, wenn Cannabis auch hierzulande legalisiert wird, muss schon jetzt ordentlich investieren“, sagt er aus eigener Erfahrung. So eine Plantage wachse schließlich nicht von alleine und bedeute eine oft mehrere zehntausend Euro teure Investition in Lampen und Zubehör. „Man kann nicht erst anfangen, wenn das Verbot fällt“, argumentiert er. „Die möglichen Ausfallkosten sind einfach viel zu hoch.“ Erst müsse man sich über Jahre stabile Pflanzen mit hoher Qualität heranzüchten, bevor man in die Produktion einsteigen könne. „Und genau das versuchen heute immer mehr private Anbauer, weil sie später einen Stück vom Cannabis-Kuchen abbekommen wollen, wenn der Hanf hier legalisiert wird.“

Zustimmung in der Bevölkerung wächst

Bei der Polizei will man von einer solchen Entwicklung nichts wissen. „Wir haben zwar mehr Indoor-Plantagen zu verzeichnen, aber eine Veränderung, seit in den USA die Legalisierung voranschreitet, haben wir nicht registriert“, sagt Ingbert Zacharias, Sprecher des Polizeipräsidiums Südosthessen. Auch im Frankfurter Polizeipräsidium gibt es immer wieder Plantagenfunde. Sprecher Alexander Kießling: „Wir nehmen immer mal wieder Plantagen in Wohnungen hoch.“ Eine Häufung im Zuge einer zukünftigen möglichen Legalisierung sieht er aber nicht.

Unabhängig davon sprechen die Umfragezahlen laut Deutschen Hanfverbandes in Berlin eine deutliche Sprache. Demnach gibt es schon jetzt in der Bevölkerung eine bis zu 40-prozentige Zustimmung zur Legalisierung von Cannabis in Deutschland. Und die Werte steigen kontinuierlich. Ab einem Wert von 50 würden Politiker dann erfahrungsgemäß handeln, sagt Maximilian Plenert, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Verbandes. Realistisch sei aber eine Zeit zwischen sieben und 13 Jahren bis zur endgültigen Legalisierung von Cannabis in Deutschland.

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