Busse fahren nur nach Notplan

Bus-Chaos in Bad Homburg und Oberursel - Entschädigung fraglich

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Bad Homburg/Oberursel – Bus-Chaos in der Kurstadt Bad Homburg und Oberursel. Zwar gilt seit einer Woche ein Notfahrplan, aber wer wichtige Termine hat, ist trotzdem verunsichert und nimmt oft lieber ein Taxi. Aber ob es Entschädigungen gibt, ist mehr als fraglich. Von Oliver Haas.

Petra Beyer steht an der Haltestelle am Kurpark und ist genervt. Der Bus, der sie eigentlich zur Arbeit in den Südcampus von Bad Homburg bringen wollte, ist nicht gekommen. Warum, das weiß sie nicht. Ihr Blick wandert zu den Taxifahrern um die Ecke, die sich über den zahlenden Gast freuen.

Seit mehreren Wochen fallen in Bad Homburg und Oberursel aufgrund krankheitsbedingter Fahrerausfälle zahlreiche innerstädtische Busse aus. Dies zieht jeweils Vertragsstrafen von 250 Euro für die Verkehrsgesellschaft Mittelhessen nach sich. Als Resultat wurde der Ende des Jahres auslaufende Vertrag zwischen den Städten und der Verkehrsgesellschaft nicht verlängert. Vor einer Woche der Eklat: Vergangenen Samstag 14 Uhr fuhr gar kein Bus mehr. Seit Anfang der Woche läuft ein Notbetrieb. Auch wenn die Schulbusse alle die Haltestellen ansteuern, müssen sich viele andere Bus-Nutzer auf den Schrumpf-Fahrplan einstellen: „Ich arbeite als Unternehmensberater in Frankfurt und bin an Termine gebunden“, so Robert Wischnat aus Bad Homburg. Er müsse sich darauf verlassen, dass die Busse fahren. Als der Notfahrplan am Montag in Kraft trat, habe jedoch kaum was geklappt, so der 33-Jährige.

Geschäftsleute leiden

Auch die Geschäftsleute leiden unter der Situation: „Wir spüren das auf jeden Fall am zurückgehenden Umsatz“, sagt Franz Hiederer vom Zeitschriftenhandel am Kurhaus. lngrid Kautz, Inhaberin von der gegenüberliegenden Bäckerei am Kurhaus, bläst ins gleiche Horn: „Vor allem ältere Kunden aus dem Umland fehlen bei uns im Café, die auf Busse angewiesen sind.“

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Im benachbarten Oberursel liegen die Nerven bei einigen Bus-Kunden ebenso blank. Der 63-jährige Franz Jacobs wollte eigentlich seine Mutter in einer Bad Homburger Klinik besuchen. Die übliche Verbindung ist gestrichen. Auch er muss genervt Taxigeld zahlen. Können die Bürger auf Entschädigungen hoffen, wenn sich die Jahres-, Monats oder Wochenkartedurch Busausfälle in ein wertloses Stück Papier verwandelt? Andrea Königslehner, Pressesprecherin der Stadtwerke Oberursel dazu: „Der RMV, an den der Stadtbus Oberursel angeschlossen ist, sieht in seinen Beförderungsbedingungen keine Erstattungs- oder Entschädigungspflicht des jeweiligen Verkehrsunternehmens vor. Dennoch prüfen wir Entschädigungen für Besitzer von Jahreskarten. Wir bedauern den Ausfall vom Sonntag.“ Erstattung soll es laut Königslehner aber nur dann geben, wenn es mehr als einen Tag zu massiven Ausfällen kommt. „Wenn es soweit ist, wird im Einzelfall geprüft, ob wir aus Kulanz den Fahrpreis oder einen Teil dessen erstatten. Auch die Stadt Bad Homburg ließ Gleiches verlauten. „Nur ein Wort: Katastrophe“, echauffiert sich Erika Spahr, die am Holzweg stirnrunzeln den Notfahrplan studiert. „Das Problem sind vor allem die schlechten Informationen, die hier an den Haltestellen stehen. Da blickt doch kaum jemand durch“, so Emil Fetsch aus Oberursel. „Wenn ich nicht meine RMV-App hätte, wäre ich aufgeschmissen. Aber vor allem Ältere haben diese Möglichkeit oft nicht“, sagt der 23-Jährige.

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