Bund lässt Baudenkmal in Eschborn verrotten

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Im Innern der Halle liegt Müll, Wände wurden beschmiert, Kabel gestohlen. Um den Hangar wieder nutzen zu können, müsste rund eine Million Euro investiert werden.

Eschborn/Schwalbach – Zerbrochene Fenster, Müll, Schmierereien an den Wänden: Seit Jahren zerfällt die letzte vollständig erhaltene Halle des Hangars am alten Flugplatz Eschborn. Dabei gilt sie als Baudenkmal. Doch der Bund als Eigentümer kümmert sich nicht darum. Von Julia Renner

Fünf Flugzeughallen sind ursprünglich Ende der 1930er-Jahre bei Eschborn gebaut worden. Dort trainierten Lastensegler der Deutschen Luftwaffe. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die Amerikaner rege den Flugplatz, bevor sie eine Überseefunkstelle einrichteten. Danach wurde es still um den alten Flugplatz.

Herausgerissene Bodenplatten in der Halle.

Die geschichtliche Bedeutung des Hangars ist groß, sagt Falko Lehmann. Der Bezirkskonservator des Landesamtes für Denkmalpflege Wiesbaden hatte das Objekt vor einigen Monaten genau unter die Lupe genommen und festgestellt: Der Zustand der Halle wird der Bedeutung nicht gerecht. „Der Hangar ist unansehnlich und verwahrlost“, sagt Lehmann: „Man kann die Halle kaum begehen und teilweise ist es gefährlich, sich dort zu bewegen.“ Schwalbachs Bürgermeisterin Christiane Augsburger weiß um den schlechten Zustand des Hangars, der auf Schwalbacher Gemarkung steht. Mehrere Gespräche habe die Stadt mit dem Eigentümer, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, geführt, was den Zustand und die weitere Nutzung der Halle angeht, sagt sie: „Leider haben diese Gespräche noch nicht zu einem Ergebnis geführt.“

Aus Augsburgers Sicht sei es dringend nötig, die Halle zu sanieren. Die finanziellen Mittel dafür habe die Stadt aber nicht. Weil die Kosten für eine Sanierung „erheblich“ seien, müssten sich mehrere Kommunen oder private Interessenten zusammenschließen. Konkrete Vorschläge für die Nutzung gibt es bis jetzt aber nicht, sagt die Bürgermeisterin.

Die künftige Nutzung der rund 3700 Quadratmeter großen Halle ist also unklar. Denkbar wäre einiges, zum Beispiel ein Museum einzurichten. Der alte Hangar könnte so an die Route der Industriekultur angegliedert werden, schlägt Konservator Lehmann vor. Er und auch Landrat Berthold Gall wünschen sich eine öffentliche Nutzung.

Vermietung ist aufgrund des Zustandes nicht möglich

"Betreten verboten" steht auf dem Schild am Hangar. Trotzdem sind auf dem Gelände immer wieder Randalierer unterwegs.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben als Eigentümer des Hangars kündigt Gespräche für nächstes Jahr an, in denen „selbstverständlich auch die Interessen des Landrats und des Bezirkskonservators berücksichtigt werden“. Der Hangar soll dann verkauft werden, denn „eine Vermietung ist aufgrund des Zustandes nicht möglich“, sagt Uwe Schmidt von der Bundesanstalt.

Hinter vorgehaltener Hand wird immer wieder der Vorwurf geäußert, dass der Bund die Halle trotz ihrer Bedeutung stiefmütterlich behandle. Es werde nur ein Minimum für den Erhalt getan, heißt es. Nachts und auch tagsüber ist „in wechselnden Intervallen“, so die Bundesanstalt, ein Wachmann auf dem Gelände unterwegs. Doch Zerstörung und vor allem Diebstahl kann auch er nicht verhindern. Seit die Preise für Kupfer gestiegen sind, wurden häufig Kabel gestohlen.

Wer auch immer in die Halle einziehen wird, muss das nötige Kleingeld mitbringen. „Es ist schwer zu sagen, was investiert werden müsste, das hängt auch von der Nutzung ab“, sagt Lehmann. Für dringend notwendige Reparaturen, beispielsweise der Dachkonstruktion, müsse man aber mit Kosten von rund einer Million Euro rechnen, schätzt er. Andere Schätzungen gehen gar von einem zweistelligen Millionenbetrag aus. „Wenn die Halle noch länger leer steht, wird sich das Schadensbild verschärfen“, warnt Falko Lehmann. So wird es wohl auch kommen, denn: „Eine Instandsetzung des Hangars ist derzeit nicht vorgesehen,“ so Schmidt von der Bundesanstalt.

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