Bürger-Wut wegen Gaststätten-Lärm

Die Lärm-Front verläuft genau durch das Wohnzimmer der Bauers in Schaafheim-Mosbach.

Dort haben sich die Krachgeplagten der gegenüberliegenden Pizzeria "Bei Stella" eingefunden: Die Bauers, die Jungels mit Solidaritäts-Schreiben der Spielmanns und weiterer Anwohner.br /Am Tisch sitzt Theolinde Bauer und zerrt am Arm ihres Mannes. Sie flüstert: "Reg Dich nicht auf", ermahnt ihn kurz darauf: "Denk an dein Herz." Doch Josef Bauer will sich nicht mehr zügeln lassen. "Ich hatte in den vergangenen Jahren 14 Operationen und der Lärm aus der Pizzeria macht mich noch kränker", sagt er mit der letzten Kraft seiner Stimme, die ihm nach einem Kehlkopfeingriff geblieben ist. Er wedelt mit dem Lärm-Protokoll, das er seit 2005 führt und in dem es vor Einträgen nur so wimmelt. "Disco-Lärm", "quietschende Reifen", "grölende Jugendliche" steht da unter "Bemerkungen" und davor diverse Uhrzeiten "zwei Uhr", "drei Uhr", manchmal "sechs Uhr". Josef Bauer: "Das geht schon seit 2000 mit der Lautstärke. Am frühen Abend ist in dem Lokal nichts los, aber nachdem die Sperrzeit nicht mehr existiert, kommen nach ein Uhr nachts die Gäste und machen Party. Und wir können nicht mehr schlafen." Jungels berichtet zudem von Vandalismusschäden an seinem Haus wie kaputte Regenrinnen und Schmutz durch Pizzakartons auf seinem Grundstück.br /Die Gemeindeverwaltung haben die Lärm-Opfer benachrichtigt, das Landratsamt um Hilfe gebeten und öfters die Polizei gerufen, doch geändert hat sich nichts. Die Stella-Besitzerin habe Bauer erklärt, dass sie keine Rücksicht nehmen könne, krank sei und das Geld brauche. Bauer: "Aber ich bin genauso krank und halte den Lärm aus der Gaststätte nicht mehr aus. Um uns kümmert sich niemand." Reinhold Jungels präzisiert und fragt: "Warum hat sie mehr Rechte als wir?"Sie, das ist Furone Nacci, Besitzerin der Pizzeria, die das Problem anders sieht. Ihre Nachbarn wollen sie fertig machen. Es gäbe keine Ruhestörungen und sie werde alle verklagen, die etwas anderes behaupten.br /In der Gemeindeverwaltung schweigt Ordnungsamts-Chefin Elke Höreth zu dem Fall. Es sei ein laufendes Verwaltungsverfahren. Zwar seien bereits Ordnungswidrigkeiten festgestellt worden, aber Details wollte sie nicht nennen. Nur so viel: Zwischen 22 und sechs Uhr gelten verminderte Lärmemissionen. Jetzt bleibt den Anwohnern nur die Möglichkeit, zu notieren, wannâ??s zu laut ist und es den Behörden vorzulegen.br /So weit will man es in Ober-Roden erst gar nicht kommen lassen.br /Dort hat sich schon eine Anwohner-Initiative gegründet, bevor die erste Pizza im Ofen gebacken wurde. In einem Reihenhaus in der Breidert-Siedlung plant nämlich ein Gastronom ein kleines Restaurant zu eröffnen.br /Das wollten die lärmempfindlichen Anwohner nicht hinnehmen und sammelten Unterschriften. "Rund 250 Leute haben gegen diese Pizzeria unterschrieben", sagt Rechtsanwalt Peter Mouqué, der der Bewegung vorsteht und Wand an Wand mit der zukünftigen Pizzeria lebt. Er sieht sich um seine Nachtruhe gebracht. "Da wird rangiert oder der Motor laufen gelassen." Außerdem sei der Lokal-Lärm garantiert im eigenen Wohnzimmer zu hören.Mittlerweile haben die Anwohner Klage eingereicht. Die Krux: Das Wohngebiet Breidert ist kein reines, sondern ein allgemeines Wohngebiet. In einem solchen ist die Eröffnung einer Gaststätte möglich. Mouqué ist das egal: "Da werden Wertverluste bei unseren Häusern eintreten. Das müssen wir verhindern."br /

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