Aber Vermieterin bleibt stur

Bonameser kämpfen um ihren letzten Laden

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Werden von 700 Bonamesern unterstützt: Rosario Amuedo-Benitez (Mitte), Mann Manuel Amuedo und Angestellte Conny Ströbel.

Frankfurt – 20 Jahre lang hat Rosario Amuedo-Benitez die Bonameser mit allem versorgt, was sie brauchten, hat ihren Problemen zugehört, hat alles besorgt, was die Kunden bei ihr bestellten. Doch zum Jahresende soll die Spanierin ihren Einkaufskiosk schließen. Weil ihre Vermieterin ihr ohne Grund gekündigt hat und das Geschäft leer stehen lassen will. Jetzt laufen die Bonameser Sturm. Schon 700 Einwohner haben ihr Autogramm auf eine Unterschriftenliste für den Erhalt des Ladens gesetzt. Der Druck auf die Vermieterin, die in der Nachbarschaft wohnt, wächst. Von Christian Reinartz

Diese Frau macht mich kaputt“, sagt Rosario Amuedo-Benitez und wischt sich eine Träne von der Wange. Erst vor zwei Jahren haben sie und ihr Mann nach 18 Jahren beschlossen, nach Bonames zu ziehen. Sie haben dort ein Haus gekauft, wollten dort ihren Lebensabend verbringen. „Doch jetzt wissen wir nicht mehr, wie es weitergehen soll.

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Zum Hintergrund: Anfang Oktober bekommt Amuedo-Benitez aus heiterm Himmel die Kündigung per Einschreiben zugestellt. „Ich hab‘ nicht die leiseste Ahnung, warum“, sagt sie verzweifelt. Als Erklärung habe sie nur ein mürrisches „Ihr hattet gute Jahre. Die sind jetzt vorbei“ von der über 80-jährigen Vermieterin bekommen. In ihrer Not, und weil bisher niemand helfen konnte, hat sich Amuedo-Benitez an den EXTRA TIPP gewendet. Der hakt beim Ortsbeirat nach. „Ich habe schon mal auf dem kleinen Dienstweg versucht, mit der Dame zu reden. Aber sie interessiert es einfach nicht, dass sie damit eine Existenz zerstört“, ärgert sich SPD-Fraktionschef Paul Barth. Die Vermieterin selbst will sich nicht äußern, schickt ihre Tochter vor. Die verlautbart kryptisch: „Das ist nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben.

Paul Barth

Paul Barth vermutet, dass die Familie so viel Geld hat, dass sie sich den Leerstand leisten kann: „Wem nützt denn die Kündigung? Niemandem! Außer, dass eine alte Frau ihren Willen bekommt. Das ist das traurige daran. Einfach rücksichtslos.

Jetzt will er das Thema auf die politische Tagesordnung bringen. Barth: „Es ist ja nicht nur der Laden, der da verloren geht. Da wird aus reiner Willkür einer der letzten echten sozialen Treffpunkte in Bonames zerstört.

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