Stadt ergänzt Beschilderung, will aber alte Knöllchen kassieren

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Erst eins, dann zwei: Die Stadt Dietzenbach hat, nachdem der EXTRA TIPP sie mit den Vorwürfen einer Leserin konfrontiert hat, ein zweites Baustellenschild aufgestellt. Die bis dahin geblitzten Fahrer sollen trotzdem zahlen.

Dietzenbach – Blitzergewitter in Dietzenbach. Kaum, dass ein paar Monate Ruhe waren, macht „Blitzerbach“ schon wieder von sich reden. Diesmal wurde in einer Baustelle in der Stadtmitte geblitzt. Zwar räumt die Stadt ein, dass die Beschilderung dürftig gewesen sei. Abkassiert wird trotzdem. Von Christian Reinartz

Zweimal muss man um den Kreisel fahren, um das Baustellenschild überhaupt wahrzunehmen. Hat man es direkt an der Ausfahrt des Rathaus-Kreisels gesichtet, ist es dann klar ersichtlich. „Und genau das ist doch hinterhältig. Wer soll das da denn sehen?“, fragt eine aufgebrachte Dietzenbacherin, die sich an den EXTRA TIPP gewandt hat. Sie ist mit Tempo 40 geblitzt worden. Da, wo sonst seit Jahrzehnten immer Tempo 50 gilt. „Ich war so erschrocken. Wenn ich durch einen Kreisel fahre, bin ich mit Blinken und Schulterblick beschäftigt und muss auf Fußgänger achten. Und genau an dieser Stelle, wo man am meisten abgelenkt ist, stellen die das Schild hin.“

Ordnungsamtsleiter Markus Hockling kann die Aufregung nicht nachvollziehen: „Die Schilder stehen so, wie sie stehen müssen.“ Deswegen hätten seine Leute dort ganz vorschriftsmäßig eine Geschwindigkeitsmessung vorgenommen. Den Vorwurf der Hinterhältigkeit will er nicht stehen lassen. „Dort ist eine Baustelle und die dortigen Bauarbeiter haben sich über Raser beschwert“, sagt Hockling: „Deswegen haben wir dort geblitzt.“

"Schild früh und erkennbar aufstellen"

Der Frankfurter Anwalt und Verkehrsrechts-Spezialist Christian Mai stellt klar: „Es gibt da keine klaren Regeln, in denen man die Meterzahl nachlesen kann, und auf die man sich berufen kann.“ Vielmehr müsse gewährleistet sein, dass ein Schild früh und auch erkennbar aufgestellt werden müsse. „Das gilt insbesondere dann, wenn eine Baustelle gar nicht klar ersichtlich ist“, betont er. Vor allem, wenn auf einer gewohnten Strecke, wie im vorliegenden Fall, plötzlich die Geschwindigkeit reduziert werde. Obwohl das alles in Dietzenbach zutrifft, stellt sich Erster Stadtrat Dietmar Kolmer hinter seinen Ordnungsamtsleiter. „Damit müssen die Leute rechnen, wenn sie in einer Baustelle zu schnell fahren.“

Doch trotz dieser Beteuerungen scheint die Stadt ihrer Sache nicht ganz sicher gewesen zu sein. Nur wenige Tage, nachdem der EXTRA TIPP Kolmer mit den Vorwürfen konfrontiert hat, lässt er ein weiteres Baustellenschild mit 30er-Geschwindigkeitsbeschränkung aufstellen. Man habe sich die Situation angeschaut und sei zu dem Schluss gekommen, dass es besser sei, ein weiteres Schild aufstellen zu lassen, heißt es im Ordnungsamt. In Kombination sind die beiden Schilder nun nicht mehr zu übersehen.

Trotzdem will Kolmer die bis dahin geblitzten Knöllchen unnachsichtig eintreiben: „Ich sehe keinen Grund, das nicht zu tun.“

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