„Bitte lasst meinen Rolf stehen!“

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Erika Schwarz will weiterhin das Grab ihres verstorbenen Mannes besuchen können.

Frankfurt – Sie war ihrem Rolf ein Leben lang treu. Und das, obwohl er schon seit 55 Jahren auf dem Frankfurter Hauptfriedhof begraben liegt. Erika Schwarz braucht den Besuch des Grabes wie die Luft zum Atmen. Doch die Stadt Frankfurt will ihren Rolf jetzt abräumen, weil die 88-Jährige nicht genug Geld hat, um das Grab für weitere fünf Jahre zu mieten. Von Christian Reinartz

„Die haben mir einfach einen Aufkleber mitten auf den Grabstein geklebt“, sagt die gebrechliche Rentnerin mit Zorn in den Augen. Doch dahinter ist Verzweiflung zu erkennen. Verzweiflung, weil sie nun das Grab ihres Mannes retten muss, aber eigentlich kein Geld dafür hat. „Ich hab das fürs Pflegeheim gespart“, sagt Erika Schwarz. 500 Euro fordere die Stadt von ihr, sagt die Seniorin: „Dabei weiß ich doch gar nicht, wie lange ich noch lebe.“

Erika Schwarz hat schon alles versucht, hat Briefe an die OB Petra Roth geschrieben und an Dezernentin Manuela Rottmann. Keiner habe ihre Nöte ernst genommen, klagt die Rentnerin. Dass sie nicht im Recht ist, weiß sie selbst, hofft aber auf ein Einsehen der Friedhofsverwaltung: „Dann könnte ich meinen Mann wenigstens weiterhin besuchen.“ Die benachbarten Gräber seien schon vor Jahren abgeräumt und nie wieder genutzt worden, sagt sie: „Bitte lasst meinen Rolf stehen. Das tut doch keinem weh.“

Bei der städtischen Friedhofsverwaltung sieht man unterdessen keinen Grund für eine Ausnahme. Thomas Linne, Abteilungsleiter des städtischen Friedhofswesens: „Frau Schwarz ist unseres Wissens nach kein Sozialfall, so dass wir keine Möglichkeit sehen, die Kosten zu erlassen.“ Allerdings stellt sich heraus, dass die Kosten gar nicht so hoch sind, wie Erika Schwarz ursprünglich angenommen hat. „Die Kosten pro Jahr liegen bei 63,40 Euro für dieses Grab“, erklärt Linne: „Das ist unserer Ansicht nach durchaus zumutbar.“ Lediglich eine Gebühr für die Umschreibung des Grabes auf Schwarz käme noch hinzu.

Trotzdem will die Stadt, nachdem der EXTRA TIPP nachgehakt hat, der Seniorin auf einmal entgegen kommen. „Ich biete ihr an, persönlich mit mir nach einer vertretbaren Lösung zu suchen“, verspricht Linne. Für Erika Schwarz ein Hoffnungssschimmer.

Der EXTRA TIPP wird die Geschichte weiter verfolgen.

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