Billiges Chlor statt teurer Filter: Ihr stinkt das Oberurseler Trinkwasser

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Duschen grenzt für Daniela Peschel an Geruchsbelästigung. Der Chlorgeruch macht der Oberurselerin so zu schaffen, dass sie juckende, rote Flecken bekommt.

Oberursel – Sobald Daniela Peschel in Oberursel den Wasserhahn aufdreht, breitet sich ein stechender Geruch aus: Chlor! Als der EXTRA TIPP nachhakt, geben die Stadtwerke zu: Fast das gesamte Oberurseler Leitungswasser wird gechlort. Von Christian Reinartz

Doch auf das Chlor verzichten will man in Oberursel bisher nicht, denn die Anschaffung einer modernen Filteranlage ist teuer.

„Mir stinkt das hier gewaltig“, sagt Daniela Peschel. Seit dem Hessentag nimmt sie einen eindeutigen Chlorgeruch war, sobald sie ihren Wasserhahn aufdreht. „Wenn ich dusche ist das besonders schlimm.“ Peschel ist mit ihren Nerven mittlerweile am Ende. Neben der Geruchsbelästigung reagiert auch ihre Haut. „Ich habe nach dem Duschen immer rote Flecken, die jucken“, sagt sie. Die Symptome decken sich mit denen von Natascha Freier. Die Frankfurterin hatte sich vor über einem Jahr an den EXTRA TIPP gewendet, weil ihr die Chlorzusätze im Trinkwasser zu schaffen machten.

Von einer ernstzunehmenden Gesundheitsgefahr geht Daniela Peschel zwar nicht aus. „Aber es ist halt einfach eklig“, beschwert sie sich.

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Zuerst sucht sie den Grund für die Chlorbelästigung im eigenen Haus. Doch die Rohrleitungen sind alle neu verlegt worden. „Das Wasser muss also schon stinken, wenn es ins Haus kommt.“

Horst Zeiger, zuständig für die Trinkwasserqualität bei den Stadtwerken, gesteht ein: „Ja, wir sind gezwungen 80 Prozent des Oberurseler Leitungswassers dauerhaft mit Chlordioxid zu desinfizieren.“ Die Gründe dafür liegen in der Beschaffenheit des Taunus. Der gilt als sogenannter Kluftgrundwasserleiter. Die nur sehr dünne Deckschicht über dem Gebirgsgestein reiche dort nicht aus, um alle Bodenkeime herauszufiltern. „Deswegen müssen wir das Wasser künstlich entkeimen“, begründet Zeiger die Dauer-Desinfizierung. Auch viele weitere Taunusgemeinden haben mit diesem Problem zu kämpfen.

Trotzdem spielt man bei den Stadtwerken die Chlorbelastung herunter. Alle Werte bewegten sich unterhalb der zugelassenen Grenzwerte. Zeiger: „Wenn wir nicht desinfizieren würden, würden wir gegen die Trinkwasserverordnung verstoßen.“

Doch erst als der EXTRA TIPP nach alternativen Methoden fragt, rückt Zeiger mit der Sprache heraus. „Ja, es gibt auch moderne Verfahren, die das Chlordioxid überflüssig machen würden.“ Das sei die sogenannte Ultrafiltration. Diese sei jedoch sehr aufwendig und vor allem kostspielig, da für eine solche Anlage eigens ein neues Filterhaus gebaut werden müsste.

Die Pläne dafür gibt es offenbar schon. Allerdings ist aus dem Oberurseler Rathaus zu vernehmen, dass bisher die Mehrheit der Politiker „das bisschen Chlor nicht so schlimm fanden. Schließlich hat das bisher auch funktioniert.“ Eine Sichtweise, mit der sich Erster Stadtrat Christof Fink (Grüne) nicht auf Dauer abfinden will. „Unser Ziel ist es, ein Trinkwasser ohne Chlorzugabe zu haben“, sagt der Politiker. Deswegen will er nun das Thema Ultrafiltration in den Gremien vorantreiben. Fink stellt klar: „Auch wenn Grenzwerte nicht überschritten werden, heißt das noch lange nicht, dass Chlor im Trinkwasser gut ist.“

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