Billig-Bier-Attacke: Großkonzerne walzen unsere Klein-Brauer platt

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Fünf Euro für einen Kasten Billig-Bier sind mittlerweile normal. Kleinbrauereien wie Glaabsbräu, Wäldches Bräu und Michelsbräu werden so unter Druck gesetzt.

Region Rhein-Main – In der Region wurde im ersten Quartal mehr Bier getrunken als im Vorjahreszeitraum. Offenbar, weil Konzerne aus Nord- und Ostdeutschland das Land mit Billig-Bier zu Dumpingpreisen überziehen. So versuchen sie, unsere Regional-Brauereien zu verdrängen. Von Christian Reinartz

29 Cent – so wenig kostet mittlerweile ein halber Liter Dosenbier im Sonder-Angebot. Hergestellt wird die Brühe im Schnellverfahren von Groß-Brauereien, vornehmlich in Nord- und Ostdeutschland. Erhältlich ist sie unter wechselnden Etiketten mittlerweile in allen Supermärkten und Discountern als so genannte Handelsmarke. Die Supermärkte heizen den Wettbewerb mit immer günstigeren Bier-Angeboten weiter an. Die Rechnung scheint aufzugehen. Die Kunden kaufen das Billig-Bier gleich palettenweise, während viele den Kasten der örtlichen Brauereien stehen lassen – weil er ein paar Euro teurer ist.

„Die drei großen Konzerne, die den deutschen Biermarkt unter sich aufteilen, wollen uns kleine Brauereien vom Markt drängen“, sagt Robert Glaab, Geschäftsführer der Seligenstädter Glaabsbräu: „Die treiben einen harten Preiskampf, mit dem sie es für uns immer schwieriger machen.“

Fernseh-Bier zum Aktionspreis

Das will Birte Kleppien, Sprecherin der Radebergergruppe mit Sitz in Frankfurt so nicht stehen lassen. „Wir haben uns von Handelsmarken schon vor vielen Jahren verabschiedet“, versichert sie. So genannte Konsumbiere verkauft die Gruppe aber trotzdem. Die sind zwar nicht ganz so billig, wie die Discount-Ware, aber eben auch nicht viel teurer. „Ob Handelsmarke oder nicht. Im Grunde gibt es in jeder Woche Fernseh-Bier zum Aktionspreis für unter zehn Euro“, stellt Robert Glaab Tacheles: „Das ist genau der Preiskampf, der die kleinen Brauer vom Markt verdrängen soll.“

Hält die traditionelle Braukunst hoch: Bierbrauer Robert Glaab vor seinen Gärbecken in Seligenstadt.

Die aktuelle Angriffswelle offenbar nicht von ungefähr. Denn immer mehr Biertrinker wenden sich in der letzten Zeit wieder regionalen Produkten zu. „Das sehen diese Großkonzerne und versuchen uns noch mehr unter Druck zu setzen“, sagt Glaab.

"Großkonzerne machen den Markt kaputt"

Mit teilweisem Erfolg. Denn selbst passionierte Bierliebhaber sparen mittlerweile schon am Gerstensaft, weiß Carsten Therstappen, zuständig für den Vertrieb der Frankfurter Wäldches Bräu: „Niemandem sitzt das Geld mehr so locker. Aber für uns kleine Brauereien ist diese Entwicklung eine Katastrophe.“

Auch in der Babenhäuser Michelsbräu sieht man die Entwicklung mit Sorge. Geschäftsführerin Catherine von Schoen: „Die Großkonzerne machen dadurch den Markt kaputt.“ Nils Britze vom Alt Oberurseler Brauhaus kennt ebenfalls das Problem: „Wir behalten die Entwicklung zwar im Auge, sind aber noch nicht so sehr davon betroffen, weil wir unser Bier nicht auf dem freien Markt vertreiben müssen.“

Einschüchtern lassen sich die Klein-Brauereien der Region nicht. Sie leisten Widerstand gegen die Preisangriffe der Großindustrie. „Unser Trumpf ist unsere Qualität“, erklärt Robert Glaab: „Wir brauen noch mit dem ganzen Hopfen und Zutaten aus der Region und benutzen kein Granulat. Dafür sind immer mehr Menschen bereit, etwas mehr zu zahlen, als für ein Billig-Bier.“ Diesen Trend bestätigt auch von Schoen: „Immer häufiger entscheiden sich die Leute bewusst für ein Bier aus der Gegend, das qualitativ viel besser ist, als die Massenware.“ Doch trotz aller Zuversicht warnt Glaab: „Wir sind weiterhin in einer Phase des Wettbewerbs, in der der Markt bereinigt werden soll und viele Brauereien von den Großen geschluckt werden sollen.“

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