Schon wieder

Betrugswelle mit falschen Anträgen für Gewerbeeintrag

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Nicole und Matthias Chantre können es nicht fassen: Die Abzocker-Firmen wussten ihre Handelsregister-Daten bevor sie selbst informiert wurden und schrieben sie an.
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Region Rhein-Main – Die nächste Abzocker-Runde ist eingeleitet. Nach der fiesen Masche der Düsseldorfer Gewerbeauskunft-Zentrale rollt schon die nächste Welle über die Region. Von Christian Reinartz

Abzocker versuchen neu gegründete Firmen übers Ohr zu hauen, indem sie Rechnungen stellen, die den Eindruck erwecken sollen, es handele sich um die rechtmäßige Rechung der obligatorischen Handelsregister-Eintragung. Das Krasse: Offenbar sind die Nepper mittlerweile schneller, als das Handelsregister selbst. Als Matthias Chantre aus Rödermark den Briefkasten öffnet, staunt er nicht schlecht. Gleich vier Firmen wollen, dass er für einen Eintrag ins sogenannte Gewerberegister bezahlt. Immer etwa 500 Euro. Dazu kommt: Die Betrüger konnten Chantre offenbar anschreiben, bevor dessen Firma im Bundesanzeiger oder im Handelsregister veröffentlicht wurde.

Wer hatte Zugriff auf die Daten?

Das weckt die Aufmerksamkeit von Peter Solf. Er ist Jurist beim Deutschen Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität in Bad Homburg. Von dort kämpft er deutschlandweit gegen solche Abzocker-Firmen. „Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt Solf. Wie die Nepper so schnell an die Daten gekommen sind, kann er sich nicht erklären. Er will nun der Sache nachgehen. Und es wird noch kurioser. Sogar die korrekte Handelsregisternummer wussten die Nepper. „Ich selbst warte schon seit Wochen auf die Nummer, damit ich Rechnungen schreiben kann. Den Rest haben die fast im Wortlaut aus dem Antrag beim Amtsgericht übernommen“, sagt Chantre. Er ist sauer, dass mit seinen Daten offenbar so lax umgegangen wird. „Da muss irgend jemand Zugriff haben, bevor die Daten veröffentlicht worden sind.

Beim Offenbacher Amtsgericht sagt Richter Andreas Gimmler: „Laut Handelsregister ist die Firma am 25. Januar eingetragen worden.“ Die Briefe sind am 28. abgeschickt worden. Es muss also jemand unmittelbar Zugang zu den Daten haben. Denn während die Firmen schon Rechnungen schreiben, hat das Handelsregister noch nicht mal die betroffenen Firmen über deren aktuelle Registernummer informiert.

Von wegen Pflichteintrag ins Handelsregister

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Immer mehr Opfer

Das Ziel der Abzocker: Die angeschrieben Firmen sollen den Eindruck bekommen, es handele sich um das behördliche Schreiben. Viele überwiesen daraufhin die Kosten, in der fälschlichen Annahme, sie begleichen die Kosten für den Pflichteintrag ins Handelsregister oder in den Bundesanzeiger. Aber es kommt noch dicker. Peter Solf: „Viele überweisen und merken erstmal gar nichts.“ Erst, wenn dann im Folgejahr die nächste Rechnung kommt, wird ihnen bewusst, in was sie da hineingeraten sind.

Peter Solf rät deshalb allen, die ein solche Schreiben erhalten, es sofort zu entsorgen. „Und wer schon bezahlt hat, sollte vorsorglich den Vertrag anfechten und die Kündigung erklären.“

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Christian Reinartz

Christian Reinartz

E-Mail:christian.reinartz@extratipp.com

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