Post kontrolliert Mitarbeiter

Beschwerden: Wenn schlampige Paketboten nicht mehr klingeln

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So soll es eigentlich sein: Wenn der Paketbote klingelt, ist die Freude groß. Doch immer wieder geben die Fahrer Anlass zu Beschwerden.

Region Rhein-Main – Die Beschwerden wegen schlampig arbeitender Paketfahrer der Post-Tochter DHL häufen sich. Es geht um im Hausflur abgelegte Pakete oder um Fahrer, die nicht klingeln. Die Post nimmt ihre Mitarbeiter in Schutz und schiebt einen Teil der Schuld den Kunden zu.

Es klingelt an der Haustür in einem Offenbacher Neubaugebiet. Per Gegensprechanlage gibt der Paketfahrer zu verstehen: „Das Paket bring ich nicht in den vierten Stock. Sie müssen runterkommen.“ Als Sabine M. widerspricht, reagiert der Paketfahrer nicht mehr. Sie macht sich auf den Weg, fährt mit dem Aufzug nach unten. Als sie ankommt, ist vom Fahrer nichts mehr zu sehen. Das Paket steht unbeobachtet im Hausflur. „Gott sei Dank ist da nichts schief gegangen“, sagt M., die ihren Namen nicht verraten will. Sie hat Angst, dass dann noch mehr Pakete nicht ordentlich zugestellt werden. „In der Lieferung war eine teure Smartwatch für meinen Mann zu Weihnachten. Sowas kann man doch nicht einfach in den Hausflur eines Mehrfamilienhauses legen.“

Schlampig, weil der Druck zu hoch ist?

Nicht zum ersten Mal, wie eine Nachbarin berichtet. „Ich hatte auch schon einen Zettel im Briefkasten, dass ich ein Paket abholen soll. Als ich dann im Paketshop nachgefragt habe, hatten die es nicht.“ Erst nach langem Suchen, habe der Mitarbeiter dort herausgefunden, dass das Paket schon längst zugestellt worden sei. „Warum der Bote dann noch einen Zettel eingeschmissen hat, weiß kein Mensch. Ich hatte dadurch auf jeden Fall nur Ärger.“ Auch in Frankfurt werden Vorwürfe gegen schlampig arbeitende DHL-Fahrer laut. Sigmar Otto etwa berichtet von Paketfahrern, die gar nicht erst klingeln. „Das dauert denen zu lange. Da schmeißen die lieber einfach einen Zettel ein, obwohl jemand zu Hause ist. Eine Frechheit ist das. Schließlich sind die Pakete teuer bezahlt.“ Noch ärgerlicher aber ist es, wenn die Pakete bei einem x-beliebigen Nachbarn abgegeben werden. Marianne W. aus Eschborn ist erst kürzlich dorthin gezogen. „Ich kenne noch niemanden. Aber der Postbote gibt Pakete irgendwo im Haus ab, bei Menschen, deren Namen ich nicht kenne.“ Da nicht alle Wohnungen Namensschilder hätten, habe „ich mich vor Weihnachten durchschellen müssen, um meine Sendung zu erhalten.“ Sigmar Otto hat einen Verdacht: „Es wirkt halt so, dass die Paketfahrer einen enormen Druck haben und deswegen dazu gezwungen sind, ungenau zu arbeiten. Die Fehler werden von der Post wohl in Kauf genommen, um Geld zu sparen.“ Vorwürfe, die Postsprecher Stefan Heß, zurück weist. „Wir kontrollieren unsere Fahrer sehr genau.“ Gebe es Beschwerden, würde dem nachgegangen.

Post hat klare Zustellvorschriften

Er stellt klar: „Solche Vorkommnisse dürfen nicht sein und werden von uns auch geahndet.“ Die Post wisse, dass es immer wieder Ausreißer gebe. Verstoße ein Paketfahrer mehrfach gegen die Zustellvorschriften, verliere er ganz schnell seine Stelle. Im Fall von Sabine M. entpuppt sich der Fahrer als unauffällig. Heß: „Wir haben Zustellquoten. Wenn da einer besonders häufig nur einen Zettel in den Briefkasten schmeißt oder Reklamationen hat, kriegen wir das mit.“ Im Fall von M. sei die Quote „absolut im Normalbereich.“ Dennoch habe Heß den Fahrer nocheinmal darüber aufklären lassen, dass jedes Paket, egal in welches Stockwerk, direkt zugestellt werden muss. Doch einen Teil der Schuld schiebt der Postsprecher auch den Kunden zu. „Die Verhältnisse haben sich im Lauf der Jahre geändert. Die Leute sind seltener zu Hause, um Pakete in Empfang nehmen zu können.“ Den wichtigen persönlichen Kontakt zum Paketfahrer gebe es so gut wie gar nicht mehr. „Auf der anderen Seite ist die Erwartungshaltung in den letzten Jahren immer weiter gestiegen.“

Wer Beschwerden über die Post vorbringen möchte, kann sich an die Service-Nummer der Post unter (0228) 4333112 wenden. Stefan Heß verspricht: „Wir verfolgen jeden Hinweis.“

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