Berufsschule klagt über zu wenige Azubis beim Anwalt

+
Elena Zöller ist eine von nur acht Auszubildenden zur Rechtsanwaltsangestellten an der Theodor-Heuss-Schule in Offenbach. Ihr Chef und Anwalt Jürgen Wahl bildet seit Jahren aus

Offenbach – Die Theodor-Heuss-Berufsschule in Offenbach vermeldet in diesem Jahr ein Rekordtief: Nur acht Jugendliche haben einen Ausbildungsplatz als Rechtsanwalts- und Notariatsangestellte. Ob es an den unqualifizierten Bewerbern liegt oder daran, dass nur wenige Kanzleien ausbilden, darüber herrscht keine Einigkeit. Von Angelika Pöppel

„Bei der Masse an Anwälten muss es doch möglich sein, genug Ausbildungsplätze anzubieten“, sagt Anwalt Jürgen Wahl. Allein in Offenbach arbeiten rund 350 Anwälte und in der Region noch weitaus mehr. Dennoch bilden nur acht Kanzleien in diesem Jahr aus. Eine der Azubis ist Elena Zöller. Sie lernt ab August in der Kanzlei von Jürgen Wahl. „Geeignete Kandidaten gibt es genug“, ist Wahl überzeugt. Rund 30 Bewerbungen habe er erhalten und darunter waren überdurchschnittlich viele gute Bewerber, erklärt der Anwalt für Medizin- und Versicherungsrecht.

Anders sieht das Alexander Vonrhein, Fachbereichsleiter der Rechtsanwalts- und Notariatsangestellten an der Theodor-Heuss-Schule in Offenbach: „Die meisten Bewerber haben große Probleme mit der deutschen Sprache.“ Gerade in einer Kanzlei sei das Grundvoraussetzung, da die Auszubildenden selbstständig Schriftstücke aufsetzen müssten. Dagegen spricht, dass er beobachtet habe, dass Kanzleien, die einmal ausbilden, das in den nächsten Jahren wieder tun. Außerdem haben in den letzten zwei Jahren alle Rechtsanwaltsangestellten nach dem Abschluss einen Job bekommen. „Die Absolventen haben gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt – auch weil so wenige ausgebildet werden“, erklärt Vonrhein.

Nachwuchs hat kaum eine Chance auf eine Ausbildung

Noch vor einigen Jahren lag die Zahl bei über 30 Azubis in Offenbach. In den letzten drei Jahren ist sie drastisch gesunken. Woran das liegt, kann Vonrhein nur ahnen: „Einige Kanzleien stellen lieber billigere Bürokräfte ein oder scheuen den zeitlichen Aufwand.“

Anwalt Jürgen Wahl in seiner Kanzlei.

Anwalt Wahl nimmt sich die Zeit: „Azubis sind keine Belastung – ganz im Gegenteil. Sie leisten gute Arbeit und sind hochmotiviert.“ Doch scheinbar stellen Großkanzleien lieber ausgebildetes Personal ein, glaubt er. Doch „wenn nur wenige Kanzleien ausbilden, haben viele junge Leute gar nicht die Chance, ins Berufsleben einzutreten.“

Mindestens 15 Auszubildende müssen in einem Fachbereich an der Theodor-Heuss-Schule lernen, so schreibt es das Kultusministerium vor. Und genau dieses kann den Ausbildungsbereich auch schließen. Das will Vonrhein verhindern: „Wir sind bestrebt, den Fachbereich zu erhalten, so lange es geht.“

Kommentare